Die
Bergedorfer Gegend ist bereits seit der Jungsteinzeit kontinuierlich
besiedelt. Später siedelten sich die ersten Sachsen an. Die erste
urkundliche Erwähnung erfolgte 1162, als das Kirchspiel Bergerdorp
unter dem Sachsenherzog Heinrich dem Löwen zunächst zum Erzbistum
Hamburg gehörte, anschließend jedoch in die Zuständigkeit des Bistums
Ratzeburg wechselte. Bereits damals verlief eine wichtige Heer- und
Fernhandelsstraße von Hamburg nach Lauenburg durch den Ort, die noch
heute existiert. Sie begünstigte die Lage des Ortes als Marktsiedlung.
Von 1202 bis 1227 gelangte Bergedorf unter die Herrschaft des dänischen
Königs. Dies war der Entwicklung Bergedorfs förderlich, es entstand
das noch heute erkennbare Zentrum des Ortes. Zunächst wurde 1208 die
Bille aufgestaut und eine Kornwassermühle errichtet. Als Vorläuferin
des Bergedorfer Schlosses entstand 1212 bis 1224 eine Wasserburg, um die
sich eine zweite Siedlung etablierte. 1227 kam es zur Schlacht von Bornhöved
in der Nähe Segebergs. Ein Heer norddeutscher Fürsten sowie der Städte
Hamburg und Lübeck konnten die Truppen des dänischen Königs Waldemar
II. entscheidend besiegen. Dadurch gelangte das Gebiet unter die Hoheit
des Grafen Adolf IV. von Schauenburg. 1275 verlieh Johann I. dem Ort die
städtischen Rechte nach Mölln-Lübecker Vorbild. Der Flecken
entwickelte sich in der Folgezeit zu einem Ackerbürgerstädtchen mit
Marktplatz, eingefasst vom wallgeschützten Stadtgraben und zwei
Stadttoren. Das Schloss war seinerzeit Sitz des zuständigen Vogts Otto
von Ritzerau. Herzog Erich III. von Sachsen-Lauenburg verpfändete
Bergedorf 1370 gegen Zahlung einer Pfandsumme an die Stadt Lübeck. Nach
seinem Tod 1401 hielt sich dessen Cousin Erich IV. nicht mehr an den
Pfandvertrag gebunden, da er seinen Interessen entgegenstand. Er
besetzte Bergedorf und vertrieb die Lübecker. In den Folgejahren störten
die Nachkommen Erichs IV., seine Söhne Erich V., Bernhard III. und Otto
den reibungslosen Verkehr auf dem Handelsweg zwischen Hamburg und der
Elbfähre am Zollenspieker und ließen hansische Kaufleute überfallen.
Im Jahr 1420
griffen die Hansestädte Hamburg und Lübeck gemeinsam die Stadt
Bergedorf an. Die Gründe lagen zum einen im Raubrittertum des Hauses
Sachsen-Lauenburg, das die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der
Hansestädte tangierte, und zum zweiten für Lübeck im verletzten
Pfandvertrag. Hamburg und Lübeck beschlossen den Krieg und kündigten
den Besatzern offen die Fehde an. Hierzu stellten sie ein Heer zusammen,
das aus 800 Reitern, 1.000 Büchsenschützen, 2.000 Fußsoldaten und
mehreren Kanonen bestand. Die Stadt war nach einem Tag eingenommen. Die
40-köpfige Burgbesatzung hingegen hielt der Belagerung und der Beschießung
fünf Tage stand, ehe sie kapitulierte und frei abzog. Im Vertrag von
Perleberg sicherten sich Hamburg und Lübeck die beiderstädtische
Herrschaft über Bergedorf, die Vierlande, Geesthacht und den halben
Sachsenwald. An den Vertragsverhandlungen war für Lübeck der Bürgermeister
Jordan Pleskow und für Hamburg der Bürgermeister Hein Hoyer betraut.
Die Verwaltung der eroberten Gebiete erfolgte gemeinsam, aber
abwechselnd. Dazu setzten die Städte jeweils einen Amtmann mit zwölf
wehrhaften Kriegsknechten und Dienern ein. Dienstsitz des Amtsmanns war
das Bergedorfer Schloss. Zunächst wechselten sich die Städte mit der
Verwaltung des Gebietes alle vier, ab 1446 alle sechs Jahre ab. Ab 1620
übten die jeweiligen Burghauptleute ihr Amt auf Lebenszeit –
ebenfalls im Wechsel – aus.
Der
Schleusengraben zur Dove-Elbe entstand ab 1443 als Schifffahrtsweg zum
Landgebiet, also den heutigen Vierlanden, und nach Hamburg. Zur
damaligen Zeit wurde in der Nähe des Schlosses die Kirche St. Petri
gebaut, die bis 1502 zur St. Petri und Pauli erweitert wurde. Das erste
urkundliche Erwähnung des Zunftamtes datiert auf 1447. Der
Amtmann Ditmar Koel führte 1542 die Reformation in Bergedorf ein. Er
ließ 1545 eine Sägemühle am Blickgraben errichten, die im 17.
Jahrhundert am heutigen Kupferhof in eine Kupfermühle umgebaut wurde. Während
des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 konnte sich Bergedorf
durch Zahlung hoher Geldbeträge vor den Truppen der Katholischen Liga
unter dem Feldherrn Johann t’Serclaes von Tilly bzw. vor den
kaiserlichen Streitkräften unter dem Oberbefehlshaber Wallenstein schützen.
1621 zerstörte ein Großbrand annähernd die Hälfte der Stadt. Auf der
Hude und dem Specken entstand um 1700 eine Vorstadt, in der sich neben
einem Armenhaus auch eine Lohmühle erbaut wurde.
In
der Franzosenzeit von 1806 bis 1814 wurden auch Bergedorf und das
benachbarte Hamburg in das französische Kaiserreich einverleibt, bis
die Städte an die russischen Belagerer übergeben wurden. In den Jahren
danach folgte eine wirtschaftliche Erholung, die unter anderem vom
Ausbau der Verkehrswege gekennzeichnet ist, namentlich der Wentorfer
Straße in Richtung Schwarzenbek und der Kampchaussee. 1838 war die
Kampchaussee die erste als Kunststraße angelegte zollfreie Verbindung
über Billwerder nach Hamburg. Sie wurde nach 160 Jahren 1998 in
Kurt-A.-Körber-Chaussee umbenannt. Ein weiterer Ausbau der Verkehrswege
war der Bau der Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn 1842 durch William
Lindley. Die Verlängerung nach Berlin erfolgte 1846. Um den Bahnhof
herum entstand das italienische Viertel mit vornehmen Restaurant wie dem
Frascati, dem Portici und dem Colosseum. Politisch-freiheitliche
Bestrebungen führten 1847 zur Gründung des Bürgervereins. Für kurze
Zeit, von 1861 bis 1867, druckte die Stadt sogar eigene Bergedorfer
Briefmarken.
Im Jahr 1867
kaufte die Stadt Hamburg der Stadt Lübeck deren Besitzrechte für
200.000 preußische Taler ab. Am 1. Januar 1868 endete somit die seit
1420 praktizierte beiderstädtische Verwaltung, Bergedorf wurde nunmehr
endgültig Teil der Stadt Hamburg. Diese richtete zur Neuordnung ihrer
eigenen Territorien außerhalb der Stadtmauern Landherrschaften ein, so
auch die Landherrenschaft Bergedorf. Die Eingliederung Bergedorfs in den
Deutschen Zollverein ließ die Ausfuhrabgaben auf produzierte Waren
fortfallen. Die Gewerbefreiheit ab 1867 und die Gewerbeordnung von 1878
sorgten für eine Industrialisierung des Ortes. Eine Glashütte war 1869
der erste Großbetrieb, weitere folgten. Zwei Stuhlrohrfabriken
erlangten besondere Bedeutung (vgl. Stuhlrohrstraße). Während der
Amtszeit des Bürgermeisters Ernst Mantius von 1882 bis 1897 entwickelte
sich Bergedorf zum modernen Vorort. 1887 wurde eine organisierte Müllabfuhr
eingerichtet. Das erste Kraftwerk samt elektrischer Straßenbeleuchtung
erhielt der Ort 1897. Um 1900 entstand das Bergedorfer Villenviertel.
Eine
Kläranlage wurde 1910 gebaut. 1912 war für Bergedorf ein besonderes
Jahr. Zu dieser Zeit war die sechs Jahre dauernde Ansiedelung der
Hamburger Sternwarte auf dem Gojenberg abgeschlossen. Sie befand sich
zuvor am Millerntor und zog wegen der Zunahme der Störungsquellen für
die empfindlichen Optiken im Großstadtalltag in die Peripherie. In
den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhundert veränderte Bergedorf
sein Gesicht beträchtlich: In den 1900er-Jahren lockten die wachsenden
Unternehmen scharenweise Arbeiter in die Stadt, es entstanden im Süden
Bergedorfs Arbeitersiedlungen und Quartiere. In den 1920er-Jahren
folgten weitere Aus- und Umbauten. Das Bergedorfer Rathaus entstand
1927. Bergedorf erhielt eine Fluss-Badeanstalt (Bille-Bad), ein
Amtsgericht, ein Gefängnisgebäude, Gebäude für Polizei und
Feuerwehr. Das Hansa-Gymnasium wurde errichtet und der Stadtgraben
zugeschüttet. Der Bau der „Durchbruchstraße I“ (heutige
Vierlandenstraße) war eine radikale Baumaßnahme zur Verbesserung der
Verkehrsinfrastruktur.
Mit
dem Groß-Hamburg-Gesetz vom 1. April 1937, das bis zum 1. April 1938
umgesetzt wurde, verlor Bergedorf seine gemeindliche Selbstständigkeit
und wurde kurzerhand zu einem von vielen Hamburger Stadtteilen. Der
Stadtteil blieb von den Bombenangriffen der Alliierten auf die Zivilbevölkerung
verschont. Tausende ausgebombter Hamburger fanden in den Auffanglagern
Zuflucht. Von 1945 bis 1949 und in den Jahren der jungen Bundesrepublik
erlebte Bergedorf weitere beträchtliche Veränderungen. So baute Kurt
A. Körber 1945/46 in Bergedorf die weltweit exportierende
Maschinenfabrik Hauni auf. Die „Durchbruchstraße II“ (Bergedorfer
Straße/B5) sorgte für einen städtebaulichen Wandel, denn für die
neue Straße mussten unter Protest vieler Bürger alte Fachwerkhäuser
weichen. Die Großwohnsiedlung Bergedorf-West entstand von 1968 bis 1973
in einer für die damalige Zeit typischen Art und Ausprägung. Die 1971
eingerichtete Fußgängerzone Sachsentor/Alte Holstenstraße sorgte
hingegen für eine weitere Erhöhung der Attraktivität der inneren
Bergedorfer Altstadt. Das erste kleinere Einkaufszentrum CCB
(City-Center Bergedorf) entstand 1973. Trotz
der mittlerweile seit über 140 Jahren währenden Zugehörigkeit zu
Hamburg hat sich Bergedorf – begünstigt durch die örtliche
Entfernung und geografische Inselbildung des Ortes – eine eigene
Identität bewahrt. Obgleich selbst Hamburger, fahren Bergedorfer – ähnlich
wie Harburger – noch heute „nach Hamburg“, wenn sie die innere
Hamburger Stadt aufsuchen. |