Allgemeines

Der Billbrook ist ein Sumpfgebiet am Rande der Marsch im Urstromtal der Elbe, das nach Norden hin von dem Fluss Bille begrenzt wird. Ähnlich wie im westlich benachbarten Hammerbrook (in den heutigen Stadtteilen Hamm Mitte, Hamm Süd, Hammerbrook und Klostertor) wurde das Gelände gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit Sand um mehrere Meter aufgeschüttet, um seine Bebauung zu ermöglichen. Das Gebiet wurde planmäßig erschlossen durch ein Netz von, völlig untypisch für Hamburg, sehr breiten und über weite Strecken schnurgeraden Straßen. Fünf breite Kanäle (Tiefstack- und Billbrookkanal sowie Tide-, Industrie- und Moorfleeter Kanal) dienen der Entwässerung, sind aber auch mit geringem Tiefgang schiffbar. Billbrook besteht heute fast ausschließlich aus Gewerbegebiet. Zwei kleine Wohngebiete befinden sich am Billbrookdeich im Nordosten sowie an der Ecke Andreas-Meyer-/Halskestraße im äußersten Süden des Stadtteils. Das Gebiet um die Mündung des Tiefstackkanals, der Billbrook vom benachbarten Stadtteil Rothenburgsort auf der Insel „Billwerder Ausschlag“ trennt, in die Billwerder Bucht wird auch als „Tiefstack“ bezeichnet.

    

  

  


Geschichte (Auszüge)

Bereits im 13. und 14. Jahrhundert wurden Marschflächen an der Bille eingedeicht. Seit 1395 gehörte das Gebiet zum Hamburger Landgebiet und dort zum Dorf Billwärder. Neben der bäuerlichen Besiedlung bauten sich wohlhabende Hamburger seit dem 17. Jahrhundert Landhäuser auf dem Billbrook. Einige dieser Häuser standen bis in das 20. Jahrhundert und wurden als Gaststätten genutzt. Das Gartenrestaurant Billwärder Park an der Blauen Brücke wurde z.B. 1727 als Landhaus errichtet und gehörte Ende des 18. Jahrhunderts dem Hamburger Senator Joachim Caspar Voigt. Nachdem sich bereits ab 1850 im westlichen Billbrook Industrie ansiedelte, führte die Aufschüttung des Geländes Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Verdrängung der Landwirtschaft durch Industriebetriebe. 1903 wurde der Tiefstackkanal erbaut. 1912 wurde Billbrook von Billwerder, das weiter Landgebiet blieb, losgelöst und als eigener Stadtteil in die Kernstadt Hamburg (Hamburg war damals rechtlich gesehen ein Flächenstaat) eingemeindet. 1914 bis 1917, also während des Ersten Weltkrieges, wurde mit dem Großkraftwerk Tiefstack, die bis dahin größte Kraftwerksanlage der HEW erbaut. Das Kraftwerk hatte eine Leistung von 100.000 Kilowatt, fünfmal so viel wie die das bis dahin größte HEW-Kraftwerk. Es wurde 1993 durch das heutige Heizkraftwerk ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Billbrook großflächig zerstört. Der Dioxinskandal um das Industrieunternehmen Boehringer hatte seinen Ursprung in Billbrook: Boehringer betrieb an der Andreas-Meyer-Straße an der Grenze zu Moorfleet ein Herbizidwerk, dessen Dioxinausstoß viele Arbeiter erkranken ließ. 1984 musste die Fabrik geschlossen werden. Das Gelände wurde bis in 1990er Jahre hinein saniert, was jedoch zu keiner nennenswerten Entlastung des Bodens führte, so dass seit 1994 der Bereich weiträumig durch metertiefe Spundwände von der Umgegend abgetrennt wurde.


tidekanal

Der Tidekanal ist ein Kanal im Hamburger Stadtteil Billbrook. Er ist 2600 Meter lang und durchgängig 70 Meter breit. Der Kanal dient der Erschließung des östlichsten Teils des Industriegebiets Billbrook/Rothenburgsort. Der Kanal zweigt vom Moorfleeter Kanal in nordöstlicher Richtung ab. Nach 200 Metern unterquert er die Halskebrücke, nach weiteren 80 Metern die Bahnstrecke Berlin–Hamburg und die Strecke der S-Bahn Hamburg nach Bergedorf. Nach 280 Metern kommt mit der Bredowbrücke die dritte Kanalquerung. Danach beginnt eine Kurve, die den Kanal in ostsüdöstliche Richtung bringt. Am Scheitelpunkt der Kurve, insgesamt nach 980 Metern, zweigt der Industriekanal nach Süden ab. Danach verläuft der Kanal noch 1620 Meter parallel zum nördlich liegenden Billbrookkanal, zu dem aber keine Verbindung besteht, und unterquert die Tidekanalbrücke, über die die Moorfleeter Straße verläuft. Der Tidekanal endet in einem Wendebecken. Der Moorfleeter Kanal ist eine Landeswasserstraße und gehört zum Hafennutzungsgebiet des Hamburger Hafens. Er ist Teil des Tidehafens und fällt während des Niedrigwassers vom Wendebecken bis zur Bredowbrücke trocken.

  

  

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