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Die
Aurelianische Mauer ist die bedeutendste Stadtmauer von Rom. Sie wurde unter
Kaiser Aurelian (270-275) begonnen und unter Kaiser Probus (276-282)
abgeschlossen. Rom hatte schon eine Mauer aus früherer Zeit, die „Servianische
Mauer“, aber die Stadt war längst über den alten Mauerring hinausgewachsen. Die Errichtung der
Mauer stellte das politische Eingeständnis der Kaiser dar, dass selbst Rom, die
Hauptstadt des Imperiums, mit einem Angriff germanischer Volksstämme rechnen
musste. In den Jahren 254–259 n. Chr. waren bereits mehrfach germanische Stämme
auf italischem Boden erschienen, so etwa die Alemannen und die Goten. Bisher
hatte Rom diese erfolgreich zurückschlagen können, bevor die Hauptstadt
unmittelbar angegriffen werden würde, allerdings war es nur eine Frage der
Zeit, wie lange dies noch gehen würde. Die Mauer war 19 km
lang, ursprünglich 6 m hoch und ca. 3,5 m tief. Der größte Teil war aus
Ziegelsteinen gemauert worden. Es gab 18 größere Tore und 383 Wachtürme,
jeweils in einem Abstand von ungefähr 30 m. Die Architekten bezogen viele
bestehende Bauten in die Befestigungen mit ein, was ein deutliches Zeichen für
die Eile des Bauvorhabens darstellt. Beispielsweise das berühmte Grabmal des
Gaius Cestius, die Cestius Pyramide, wurde so Teil der Mauer. Die so entstandene
Stadtmauer stellte jedoch nur einen befriedigenden Schutzwall gegen solche
Angreifer dar, denen die technischen und sonstigen Voraussetzungen für eine längere
Angriffswelle oder gar eine Belagerung fehlte. Bereits Kaiser Maxentius ließ
die Mauer zu Beginn des 4.Jahrhundert etwas erhöhen.
Später ließen die Kaiser Honorius und Arcadius die Mauern auf fast 11 m erhöhen
und verstärken. Danach wurde auch das Mausoleum des Kaisers Hadrian (Engelsburg), als Zitadelle in die Befestigungen integriert. Vielfach
wurden die Tore zu wahren Festungstürmen ausgebaut. Das Problem der Aurelianischen
Mauer war ihr Umfang: Rom hatte im Grunde nie genug Soldaten, um die ganzen 19
km der Mauer zu bemannen. Dennoch stellte die Aurelianische Mauer einen
wirksamen Schutzschild gegen die immer aufdringlicher werdenden Germanen dar.
Die Goten und Vandalen, denen es in der ersten Hälfte des 5.Jahrhunderts
gelang, Rom einzunehmen, bewältigten nicht die Aurelianische Mauer, sondern
bedienten sich eines Tricks: Sie kappten die Wasserleitungen und zwangen die
Römer dadurch letztendlich zum Öffnen der Tore der Stadt Rom. Den letzten grossen
Dienst sollte die Aurelianische Mauer Papst Pius IX. leisten, als er sich gegen
diejenigen wehren wollte, die einen Staat Italien mit der Hauptstadt Rom
errichten wollten. Sein Ansinnen war vergeblich und die Aurelianische Mauer
verlor endgültig ihre Funktion als schützende Stadtmauer, da Rom einfach über
ihre Begrenzungen hinauswuchs. Heute sind noch sehr viele Reste der einst
antiken Stadtmauer zu erkunden. Gerade gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden
viele Teile wieder in den vermeintlich antiken Urzustand zurückversetzt und von
mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Anbauten befreit.
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