ALLGEMEINES / Geschichte

2004

Die Cestius-Pyramide, genauer „Pyramide des Caius Cestius“ ist das pyramidenförmige Grabmal des römischen Prätors und Volkstribuns Gaius Cestius Epulo († vor 12 v. Chr.). Bestattungen innerhalb der Stadt waren bis ins 5. Jahrhundert verboten. Grabmäler wurden deshalb üblicherweise an den Ausfallstraßen errichtet. Die Cestius-Pyramide steht in exponierter Lage an der Via Ostiensis, einer der belebtesten Straßen Roms, die zur Hafenstadt Ostia führte. Ab 271 wurde die Pyramide in die Stadtmauer Kaiser Aurelians (die Aurelianische Mauer) einbezogen. Neben ihr öffnete sich die Porta Ostiensis, heute Porta San Paolo. Cestius war Prätor des Jahres 43 v. Chr. und Mitglied der Septemviri epulonum, eines der vier Priesterkollegien. Über sein Leben ist wenig bekannt, sein Name hingegen ging mit seinem Grabmal in die Bau- und Kunstgeschichte ein. Im Mittelalter wurde die Cestius-Pyramide als Meta Remi, Grab des Remus bezeichnet, analog zur Meta Romuli, Grab des Romulus, einer weiteren Pyramide in der Nähe der Engelsburg. Dieses Grabmal wurde 1499 von Papst Alexander VI. abgetragen, um für das Heilige Jahr 1500 die Zugangsstraße zum Vatikan zu verbreitern. Der Marmor dieser Pyramide wurde im Petersdom verbaut. Zwei weitere Pyramiden standen im Bereich der heutigen Piazza del Popolo. 1656 ließ Papst Alexander VII. die Pyramide restaurieren und wieder freilegen, denn im Laufe der Jahrhunderte hatte sich das Bodenniveau um einige Meter angehoben. Dabei wurden auch die zwei Säulen und die Basen der zwei verlorenen Säulen wiedergefunden. An der westlichen Seite der Pyramide wurden spätestens ab 1732 Nichtkatholiken bestattet. Das Begräbnisfeld wurde 1821 offiziell zum Cimitero acattolico, dem sogenannten Protestantischen Friedhof. Im 19. Jahrhundert wurde die Mauer zwischen der Pyramide und der Porta San Paolo abgerissen. Von November 2012 bis April 2015 wurde die Pyramide grundlegend restauriert. Die Kosten von 2 Millionen Euro wurden dafür von dem japanischen Geschäftsmann Yūzō Yagi aufgebracht.


BAUWERK

Nach der Eroberung Ägyptens durch Kaiser Augustus kamen ägyptische Kultur und Bräuche in Rom in Mode. Diese umfasste auch Bestattungen in Pyramiden, so dass mehrere Römer sich kleine Pyramiden als Grabstätten bauen ließen. Heute ist von dieser kurzen Episode der römischen Kultur nur noch die Cestius-Pyramide übrig. Der Bau entstand zwischen 18 und 12 v. Chr. Er wurde als Ziegelbauwerk ausgeführt und mit Travertin- und Marmorplatten verkleidet. Die Pyramide ist 36,4 m hoch (ein Viertel der Höhe der Cheops-Pyramide) und hat eine Seitenlänge von 29,5 m. Im Inneren befindet sich eine 4,10 auf 5,95 m große und 4,80 m hohe Grabkammer (nur bei Führungen zugänglich) mit Resten von Fresken. Diese Fresken sind im 3. Stil ausgeführt. Sie sind die frühesten datierbaren römischen Wandmalereien in diesem Stil und bilden daher einen wichtigen chronologischen Fixpunkt für die Entstehung dieses Wandmalereienstiles. Vor der Pyramide standen vier Säulen, von denen zwei wieder aufgestellt wurden. Sie trugen vermutlich Bronzestatuen des Cestius.


INSCHRIFTEN
West- und Ostseite (Oben)

C(aius) CESTIUS L(ucii) F(ilius) POB(lilia) EPULO PR(aetor) TR(ibunus) PL(ebis) VII VIR EPULONUM
Caius Cestius, Sohn des Lucius, aus der (Tribus) Poblilia, Epulo, Prätor, Volkstribun, Mitglied der Septemviri epulonum

 

 
West- und Ostseite (unten)

INSTAURATUM AN(no) DOM(ini) MDCLXIII / Erneuert im Jahr des Herrn 1663.

 

 
Ostseite

OPUS APSOLUTUM EX TESTAMENTO DIEBUS CCCXXX ARBITRATU PONTI P(ublii) F(ilii) CLA(udia) MELAE HEREDIS ET POTHI L(iberti)
Das Werk (wurde) fertiggestellt auf Grund des Testaments in 330 Tagen unter Leitung des Pontius Mela, des Sohnes des Publius, aus der (Tribus) Claudia, des Erben, mit dem Freigelassenen Pothus.


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