ALLGEMEINES

Esposizione Universale di Roma (italienisch, „Weltausstellung Rom“) ist der Name eines ab 1938 im Süden Roms errichteten neuen Stadtviertels, der meist nur in seiner Kurzform EUR Verwendung findet. In EUR sollte nach dem Willen Mussolinis die Weltausstellung 1942 unter dem Motto einer Olimpiade delle Civiltà (Olympiade der Kulturen) stattfinden. Die Projektbezeichnung lautete E42 (Esposizione 1942) und bezog damit neben der Weltausstellung auch das 20-jährige Jubiläum der faschistischen Machtergreifung mit ein, der turnusgemäße Termin der Weltausstellung 1941 war dazu auf Bitten Mussolinis um ein Jahr verschoben worden. Das Viertel bildet heute das Quartiere XXXII. Europa im Stadtbezirk IX. EUR.

          
         
           
   

GESCHICHTE

Nach einer intensiven Planungsphase konnte Marcello Piacentini im Jahr 1938 das definitive Projekt präsentieren. Städtebaulich verbindet es das historische Zentrum Roms über die Via Cristoforo Colombo mit dem Meer bei Ostia und entsprach damit der faschistischen Direktive „Rom ans Meer“. Der Grundriss ist von der klassischen römischen Stadtplanung mit Cardo und Decumanus geprägt und ordnet an den Schnittpunkten von Haupt- und Nebenachsen zentrale Monumentalbauten an, die teilweise durch Wettbewerbe an andere Architekten vergeben wurden. Im Gegensatz zu früheren Weltausstellungs-Arealen sollten die zentralen Bauten der E42 nach dem Ende der Ausstellung nicht abgetragen werden, sondern den Kern einer neuen Stadtanlage bilden. Sie wurden daher mit hohem architektonischem Anspruch und Aufwand aus repräsentativen Materialien wie Marmor und Travertin errichtet. Die Architektur von E42 ist geprägt vom Spannungsfeld zwischen dem dominanten neoklassischen Stil der Scuola Romana um Marcello Piacentini und dem Razionalismo etwa eines Adalberto Libera, die mitunter stark auf die römische Baukunst der Antike zurückgreifen, zugleich aber auch Elemente der Pittura metafisica aufweisen. Bis 1942 wurde an EUR gebaut, der Kriegseintritt Italiens und das Ende der faschistischen Regierung 1943 führten zum Ende des Projektes und der Bautätigkeit. Nach 1951 erfolgte die Vollendung unter veränderten städtebaulichen Zielsetzungen. So entstand im Süden der Hauptachse zur Olympiade 1960 der Palazzo dello Sport, heute PalaLottomatica, von Pier Luigi Nervi und Piacentini, auf den Fundamenten des großen Theaters an der Piazza Imperiale erhebt sich heute der Grattacielo Italia. EUR erhielt bereits 1955 eine Metro-Anbindung nach Termini und wurde zu einem Verwaltungszentrum und teuren Wohnviertel.


MUSEO DELLA CIVILTA ROMANA

Das Museo della Civiltà Romana (deutsch Museum der römischen Zivilisation) ist ein an den Palilia 1955 vollständig eröffnetes Museum in Rom, das zu den städtischen Musei in Comune gehört. Die Ausstellung widmet sich der antiken römischen Zivilisation, doch sind in den Räumlichkeiten seit 2004 auch das Planetarium und das Museo Astronomico untergebracht. Der Museumsbau befindet sich im Stadtteil E.U.R. (Esposizione Universale di Roma), einem in den 1940er und 1950er Jahren angelegten Stadtviertel im Süden Roms. Das zur Zeit des Faschismus ausgeführte neoklassizistische Museumsgebäude wurde von dem Architekten Pietro Aschieri und seinen Kollegen Bernardini, Pascoletti und Peressutti geplant. Die Architekten gewannen die Ausschreibung im Rahmen der für 1942 in Rom geplanten Weltausstellung, bei der auf dem Areal im Süden Roms ein eigener Komplex entstehen sollte. Die Weltausstellung wurde jedoch wegen des Zweiten Weltkriegs abgesagt und das Museum blieb bis Kriegsende unvollendet. Das Museum gründet seine Bestände auf eine von Rodolfo Lanciani geleitete archäologische Ausstellung aus dem Jahre 1911 sowie auf das von Benito Mussolini 1929 eröffnete Museo dell’Impero Romano und die zentrale Ausstellung zum zweitausendsten Geburtstag des Kaisers Augustus, die Mostra Augustea della romanità ab 1937, die auch Adolf Hitler im Jahr 1938 besuchte. Das Museo dell’Impero Romano diente ideologischen Zwecken: Durch die Betonung der römischen Antike als Fundament der italienischen Geschichte und Zivilisation sollte die Bedeutung der eigenen Nation propagandistisch überhöht werden. Wegen einer dringenden Generalsanierung ist das Museum seit Januar 2014 geschlossen. Nach ersten Voruntersuchungen wurde klar, dass aus Sicherheitsgründen der Plan, einzelne Säle für den Besuch offen zu lassen, nicht durchgeführt werden konnte. Da wegen gerichtlicher Auseinandersetzungen bisher keine Ausschreibung der Arbeiten erfolgte, ist eine Wiedereröffnung bisher nicht absehbar. Die Sammlung des Museums umfasst zum großen Teil Reproduktionen, Gipsabgüsse und Modelle, aber auch Exponate römischer Architektur, Kunstwerke, Inschriften und Alltagsgegenstände. Dabei wird das gesamte Gebiet des Imperium Romanum erfasst. Die 12.000 m² umfassende Ausstellung ist in 59 Sektionen aufgeteilt. Unter den ausgestellten Objekten befinden sich auch Gipsabdrücke der in Rom befindlichen Trajanssäule und ein Duplikat der Großen Mainzer Jupitersäule. Ein Saal des Museums beherbergt das von Italo Gismondi geschaffene Modell der Stadt Rom in konstantinischer Zeit (4. Jahrhundert) im Maßstab 1:250. Das Modell wurde ab 1933 erstellt und das Stadtzentrum bereits 1937 auf der Mostra Augustea della romanità gezeigt. Bis 1955 wurde das gesamte Stadtgebiet innerhalb der Aurelianischen Stadtmauer fertiggestellt. Das Museum diente 2015 als Drehort für den James-Bond-Film "Spectre".

          

MARCONI OKELISK

Der Marconi-Obelisk bildet das Zentrum der "Piazza Marconi" und der "EUR". Der 1939 vom "Ministerium für Volkskultur" in Auftrag gegebene Obelisk wurde von dem Künstler Arturo Dazzi errichtet. Das Bauwerk soll an den italienischen Physiker Guglielmo Marconi erinnern, welcher für die Erfindung der Radioantenne verantwortlich war. Der Erstentwurf sah einen 1.700 Jahre alten, äthiopischen Obelisken vor. Dieser wurde von italienischen Truppen im Jahre 1937 durch einen Feldzug nach Äthiopien als Zeichen der Repräsentation der imperialen Macht mitgebracht. Dieser Plan wurde jedoch nicht verwirklicht: Der äthiopische Obelisk fand seinen Platz im Zentrum der Stadt. Die Bauarbeiten mussten auf Grund des Verlaufs des Zweiten Weltkrieges eingestellt werden, weshalb nur die ersten zwei Basreliefs fertiggestellt wurden. Im Jahr 1951 wurde vom "Ministerium für öffentliche Arbeiten" vorgeschlagen, das Denkmal abzureißen. Zur Landwirtschaftausstellung in der "EUR" (1953) sollte die Stahlbetonarmatur mit provisorischen Gipsplatten abgedeckt werden. Dies verweigerte jedoch der Künstler Dazzi. Erst 1959 durfte Dazzi die Fertigstellung wieder aufnehmen. Der Obelisk sollte zu den Olympischen Spielen (1960) vervollständigt werden. Hierfür durfte Dazzi den Obelisken mit dekorativen Marmorplatten schmücken. Die Einweihung des Obelisken fand am 12. Dezember 1959 statt.

            
     

PIAZZALE BENITO JUAREZ

Piazzale Benito Juarez ist ein Platz in Rom, der dem mexikanischen Präsidenten Benito Juárez gewidmet ist. Er befindet sich im Stadtteil EUR und ist eine Schenkung des mexikanischen Staates an die Stadt Rom aus dem Jahr 1972. Der Platz beherbergt eine Statue von Benito Juárez, die eine Replik der Statue auf dem Cerro del Fortín in Oaxaca ist.

            

BASILIKA ST.PETER UND PAUL

Die Basilika St. Peter und Paul (Basilica parrocchiale dei Santi Pietro e Paolo a Via Ostiense) ist eine römisch-katholische Kirche im Süden Roms auf der höchsten Stelle am Westrand des Quartiere XXXII. Europa (EUR). Der von Arnaldo Foschini entworfene monumentale kuppelgekrönte Zentralbau im neoklassizistischen Stil entstand ab 1939 im Rahmen des architektonischen Vorzeigeprojekts Mussolinis. Nach ihrer kriegsbedingt verzögerten Vollendung wurde St. Peter und Paul 1952 Minoritenkirche, 1958 Pfarrkirche, 1965 Titelkirche und 1967 Basilica minor. An der Stelle der heutigen Basilika soll im Mittelalter eine Kapelle der Erzbruderschaft der Pilger gestanden haben, die bereits den beiden Aposteln geweiht war. Das gesamte Gelände gehörte bis zur Enteignung dem Kloster Tre Fontane. Die Kirchenplanung wurde den Architekten Arnaldo Foschini, Alfredo Energici, Vittorio Grassi, Nello Ena, Tullio Rossi und Costantino Vetrian übergeben. Die Arbeiten begannen im September 1938 und wurden im April 1939 genehmigt. Das EUR-Viertel war als Gelände der für 1942 geplanten Weltausstellung projektiert. Anders als der deutsche Nationalsozialismus war der italienische Faschismus kirchenfreundlich und benutzte den Katholizismus für seine imperialen Ziele. Symbol dafür sollte im Rahmen der Weltausstellung die hohe Kuppelkirche sein, die eine Ausstellung zur Ausbreitung der katholischen Kirche und eine ikonografische Ausstellung über die Apostel Petrus und Paulus aufnehmen sollte. Nach dem Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg im Juni 1940 gingen die Bauarbeiten noch bis zur Fertigstellung des Rohbaus 1941 weiter und wurden dann eingestellt. In den Kriegsjahren erlitt das Gebäude Schäden durch zwei Granatentreffer. Sämtliches bewegliche Baumaterial wurde abtransportiert. Nach dem Krieg begann die Umgestaltung und Vollendung des Weltausstellungsgeländes als Wohn- und Büroviertel. Bereits unmittelbar nach Kriegsende hatten die Franziskaner-Konventualen bei den zuständigen Stellen Interesse an der Kirche angemeldet. 1952 ging das unvollendete und beschädigte Bauwerk mit Grundstück und Nebengebäuden ins Eigentum des Ordens über, der anschließend die Kirche mit Pfarrzentrum und Konventsgebäude fertigstellte. Schwierigkeiten bereitete der kleine, aber hohe und atmosphärisch kühle Innenraum des Gebäudes, das ursprünglich nicht für die Liturgie einer Pfarrgemeinde gedacht war. 1955 wurde die erste heilige Messe in der Kirche gefeiert. Am 8. Dezember 1958 wurde sie die 172. Pfarrkirche der Stadt Rom.

            
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ARCHIVIO CENTRALE DELLO STATO

Das Archivio Centrale dello Stato (ACS) in Rom ist das zentrale Archiv der Republik Italien. Es ist als autonome Behörde dem italienischen Ministerium für Kulturgüter angegliedert. Das ACS hat seinen Sitz am Piazzale degli Archivi im römischen Stadtteil Eur. Das Zentrale Staatsarchiv wurde im Jahr 1875 als Archivio del Regno oder „Archiv des Königreiches“ eingerichtet, um Unterlagen des 1861 gegründeten italienischen Nationalstaates aufzubewahren, die für die laufenden Geschäfte nicht mehr notwendig waren. Lange Zeit war das Zentralarchiv jedoch keine eigenständige Einrichtung; bis 1953 wurde es zusammen mit dem Staatsarchiv Rom unterhalten. Einen angemessenen separaten Sitz für das ACS fand man im Stadtteil EUR in einem Gebäude, das Mussolini für die dort geplante Weltausstellung 1942 vorgesehen hatte. In den 1950er Jahren wurde das monumentale Gebäude entsprechend der Bedürfnisse des ACS fertiggebaut. Der Umzug erfolgte im Jahr 1960. Verschiedene Umbauten und Modernisierungen wurden in den 1990er Jahren durchgeführt. Das Zentralarchiv hat die gesetzliche Aufgabe, archivwürdige Unterlagen staatlicher oder öffentlicher Stellen zu verwahren und nutzbar zu machen. In besonderen Fällen werden auch Bestände bedeutender Privatpersonen oder privater Einrichtungen übernommen, sofern ein öffentliches Interesse vorhanden ist. Der Gesamtbestand umfasst ca. 110 Regalkilometer.

            
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PALAZZO DELLA CIVILTA ITALIANA

Der Palazzo della Civiltà Italiana (deutsch: „Palast der italienischen Zivilisation“), auch Palazzo della Civiltà del Lavoro und Colosseo quadrato genannt, ist ein Bauwerk im Esposizione Universale di Roma, EUR, in dem neuerrichteten Stadtviertel, in dem 1942 die Weltausstellung in Rom hätte stattfinden sollen und das der Verherrlichung des italienischen Faschismus diente. Das Colosseo quadrato liegt am Quadrato della Concordia und ist ein neoklassizistisches Bauwerk mit 50 m Höhe, mit Fundament 68, sowie 216 Rundbogenarkaden auf sechs Stockwerken. Es sollte an das Kolosseum in Rom erinnern. Das von den Architekten Ernesto Bruno La Padula, Giovanni Guerrini und Mario Romano geplante Gebäude wurde in den Jahren 1938 bis 1943 erbaut. Die Anzahl der Rundbogenarkaden entspricht senkrecht (sechs) dem Namen Benito und waagerecht (neun) Mussolini. Auf jeder der vier Seiten des Quaderbaus befindet sich über den Arkaden eine Inschrift, in Anlehnung an die römische Monumentalschrift in Majuskeln: „Un popolo di poeti di artisti di eroi di santi di pensatori di scienziati di navigatori di trasmigratori“, übersetzt: „Ein Volk der Dichter, der Künstler, der Helden, der Heiligen, der Denker, der Wissenschaftler, der Seeleute, der Wandernden“. Es handelt sich dabei um ein Zitat aus der Rede Mussolinis vom 2. Oktober 1935, in der er Äthiopien den Krieg erklärte. Das Gebäude diente unter anderem als Kulisse für die Komödie Hudson Hawk – Der Meisterdieb (1991), die Shakespeare-Verfilmung Titus (1999) und für die italienische Komödie O.K. Nero (1951). Zwischen 2003 und 2008 war das Gebäude wegen Renovierungsarbeiten für die Öffentlichkeit gesperrt. Das Modelabel Fendi bezog dort 2015 für zunächst 15 Jahre seinen Hauptsitz. Das Erdgeschoss bleibt als Ausstellungsraum allgemein zugänglich, die Eröffnungsausstellung „Una nuova Roma: L’Eur e il Palazzo della Civiltà Italiana“ thematisiert die Rezeption des Gebäudes und des Quartiers in der Kunst, Architektur, Film und Fotografie.

     

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Fotos, texte, Grafiken: JHreisen - Wikipedia / Daten und Links ohne Gewähr (07.2025)