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Die
Engelsburg ist ein Mausoleum, das ursprünglich für Kaiser Hadrian (76–138)
und seine Nachfolger errichtet wurde. Der Bau wurde noch zu Lebzeiten Hadrians
unter der Leitung des Architekten Demetrianus begonnen und im Jahr 139 unter
Antoninus Pius beendet. Das Grabmal war in der Spätantike unter dem Namen
Hadrianeum bekannt. Heute wird die Bezeichnung Hadrianeum für den Tempel des
Hadrian an der Piazza di Pietra verwendet. Das
Grabmal hatte die Form eines flachen Zylinders (64 m Durchmesser, 20 m hoch) aus
Peperin (Vulkangestein) und opus caementicium (römischer Beton), bedeckt mit
Travertin (Kalkstein), der auf einem mit Marmor verkleideten quadratischen
Sockel (je nach Angabe 84–89 m Seitenlänge, 10–15 m hoch) errichtet wurde.
Die Oberseite des Zylinders war vermutlich als ein Garten mit Zypressen
gestaltet. In der Mitte stand wahrscheinlich ein kleiner runder Tempel. An der
Spitze stand eine Quadriga, die Hadrian als Sonnengott zeigte. Es gibt aber auch
andere Rekonstruktionen, die von einem hohen Kegel aus Stein statt Garten und
Tempel ausgehen. Der
architektonische Stil mag ungewöhnlich erscheinen, aber es gab damals ähnliche
Bauten, wie das Mausoleum des Kaisers Augustus auf dem Marsfeld, von dem heute
nur mehr eine Ruine übrig ist. Der Stil geht auf die noch viel älteren
Grabbauten der Etrusker zurück. Als die Stadtmauer von Kaiser Aurelian (die
Aurelianische Mauer) unter den Kaisern Honorius (395–423) und Arcadius
(395–408) vom Magister militum (Heermeister) Stilicho verstärkt wurde,
integrierte man das solide gebaute Mausoleum als Zitadelle in die Befestigungen.
Den heutigen Namen erhielt die Anlage im Jahr 590, als in Rom die Pest
wütete. Papst Gregor I. der Große soll über dem Grabmal die Erscheinung
des Erzengels Michael gesehen haben, der ihm das Ende der Pest
verkündete, indem er das Schwert des göttlichen Zorns in die Scheide
steckte. Da die Pest wirklich zu Ende ging, erinnert heute noch die
Statue des Engels auf der Spitze des Gebäudes an diese Episode. Von
1577–1753 stand dort oben ein von Guglielmo della Porta geschaffener
Engel aus Marmor, der heute im Innenhof, dem Cortille dell’Angelo zu
sehen ist. Dieser wurde dann durch die heutige, von Peter Anton von
Verschaffelt entworfene Figur aus Bronze ersetzt. Außerdem wurde dem
Erzengel eine um 610 von Papst Bonifatius IV. eingebaute Kapelle
gewidmet. Ab
dem 10. Jahrhundert war die Engelsburg im Besitz der Päpste und diente als
Zuflucht, unter anderem während der großen Plünderung Roms durch die Truppen
von Kaiser Karl V. im Jahr 1527. Ebenso flohen Gregor VII. vor Heinrich IV. und
Pius VII. vor Napoleon I. Bonaparte. Ein etwa 700 m langer geheimer Gang, der
1277 von Papst Nikolaus III. gebaut wurde, verbindet die Engelsburg mit dem
Palast des Papstes im Vatikan. Die
Engelsburg diente in späteren Jahren auch als Gefängnis und Folterkammer der
Inquisition. Giordano Bruno, Galileo Galilei und Alessandro Cagliostro waren
beispielsweise berühmte Gefangene der Engelsburg. Diverse Päpste ließen die
Engelsburg ausbauen. Alexander VI. errichtete die vier Bastionen und die päpstlichen
Gemächer. Sixtus V. richtete die Schatzkammer ein, in der sich auch ein Teil
des Geheimarchivs befand. Gegen
Ende des 18. Jahrhunderts vernachlässigten die Päpste den Ort, bis die Burg im
19. Jahrhundert von den Soldaten der französischen Republik beschlagnahmt
wurde. Im Jahre 1870 ging die Befestigung in den Besitz des italienischen
Staates über. Die Säle wurden zum Teil als Museum eingerichtet und die Burg
wurde dem Publikum zugänglich gemacht. Insgesamt
lässt sich das Bauwerk in seiner heutigen Gestalt in fünf Ebenen einteilen.
Von der untersten Ebene führt eine 122 m lange Rampe spiralförmig aufwärts.
In der zweiten Ebene gibt es das Gefängnis und Lagerräume für Weizen und Öl.
Die dritte Etage ist die militärische mit zwei Innenhöfen. Von Cortille
dell’Angelo aus gelangt man in die päpstlichen Gemächer und ins Museum. Die
wichtigste Ebene ist die vierte. Hier findet man das Papstappartement, eine
Raumfolge mit manieristischen Fresken von Perino del Vaga, Giulio Romano und
anderen Künstlern aus der Schule Raffaels sowie die Säle Pauls III., Clemens
VII., Clemens VIII. und Leos X. Auch die Loggien von Giuliano da Sangallo und
Donato Bramante sowie die Sala del Tesoro (Schatzkammer) sind hier zu sehen.
Ganz oben kommt man schließlich auf die Terrasse, wo neben dem Bronzeengel die
sogenannte Armsünderglocke zu sehen ist, die an die Vergänglichkeit des Schönen
und die Grausamkeit der Welt erinnert. Im
Museum werden seit 1901 in 58 Sälen neben der Geschichte des Bauwerks auch
Waffen, Möbel und Gebrauchsgegenstände gezeigt. Bei Untersuchungen der
Bausubstanz im Jahr 2005 stellte man gravierende strukturelle Mängel in der
Bausubstanz fest. Die archäologischen Behörden von Rom warnten, dass ohne Maßnahmen
einige Türme der Engelsburg einzustürzen drohten. Die Engelsburg gilt als
Vorfestungsburg des Vatikans.
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