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Das erste steinerne Amphitheater Roms war das 29
v. Chr. eingeweihte Amphitheater des Statilius Taurus. Bis zu seiner
Vernichtung durch den Großen Brand von Rom im Jahre 64 n. Chr. stand es
auf dem Marsfeld und dürfte sich nicht wesentlich von den Amphitheatern
außerhalb Roms unterschieden haben. Nach dem Brand errichtete Kaiser
Nero am selben Standort nicht nur einen hölzernen Ersatz, sondern begann
auch am Südhang des Hügels Esquilin eine neue Palastanlage, die Domus
Aurea. Die Gärten der Domus Aurea umfassten auch den späteren Standort
des Kolosseums in der Talsenke zwischen den Hügeln Oppius (Teil des
Esquilin) und Palatin. Um 72, wenige Jahre nach Neros Sturz, gab sein
Nachfolger Vespasian, der die Macht in einem blutigen Bürgerkrieg
errungen hatte, das Gebiet demonstrativ der römischen Öffentlichkeit
zurück. Dort ließ er binnen weniger Jahre ein neues steinernes
Amphitheater errichten, das nicht nur Neros Vorgängerbau auf dem
Marsfeld, sondern alle bisherigen Arenen übertreffen sollte, um den Ruhm
der neuen Herrscherdynastie der Flavier zu mehren. Nach einer
Rekonstruktion der Bauinschrift des Kolosseums wurde seine Errichtung
insbesondere aus der Beute des Jüdischen Krieges finanziert, unter
anderem mit dem im Jahr 70 geplünderten Tempelschatz von Jerusalem. Das
Gebäude, das ursprünglich dreigeschossig sein sollte, war beim Tod
Vespasians im Jahr 79 fast vollendet. Es bestand aus drei übereinander
angeordneten Arkadenreihen zu je 80 Bögen. Die Arkaden wurden durch
Halbsäulen gegliedert: die zu ebener Erde in dorischer, die des zweiten
Geschosses im ionischer und die des dritten Geschosses in korinthischer
Ordnung. Angeblich auf Wunsch von Vespasians Sohn und Nachfolger Titus
wurde den drei Rundbogengeschossen noch ein viertes Geschoss
hinzugefügt, das nicht von Arkaden durchbrochen, sondern massiv
gestaltet und nur von rechteckigen Fensternischen durchbrochen wurde.
Die Außenmauern des Kolosseums wurden in römischem Travertin ausgeführt,
im Inneren wurden jedoch die billigeren Ziegel und Tuff verwendet. Nach
seiner Fertigstellung im Jahr 80 wurde das Kolosseum dem
Geschichtsschreiber Cassius Dio zufolge mit hunderttägigen Spielen
eröffnet, unter anderem mit Gladiatorenkämpfen, nachgestellten
Seeschlachten und Tierhetzen, bei denen 5000 Tiere in der Arena getötet
wurden.
Das Kolosseum ist ellipsenförmig gebaut. Seine Breite beträgt 156 Meter,
die Länge 188 Meter, der Umfang 527 Meter, die Höhe 48 Meter. Auch der
Boden der Arena war elliptisch mit einer Breite von 54 Metern und einer
Länge von 86 Metern. Die runde Form sollte verhindern, dass Gladiatoren,
zum Tode Verurteilte oder gejagte Tiere in einer Ecke Schutz suchen
konnten. Den Boden der Arena bildeten Holzbohlen, die sich nach Bedarf
entfernen ließen. Darunter befanden sich die Kellerräume und das 7 Meter
dicke Fundament. Am Außenrand des Obergeschosses wurden 240 senkrecht
stehende Masten befestigt, an denen ein riesiges Velarium aufgezogen
werden konnte, um den Innenraum zu beschatten. Dazu wurden Seesoldaten
der bei Misenum (am Golf von Neapel) stationierten römischen
Flotteneinheiten herangezogen.
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