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Das
Marcellustheater war ein Theater im Norden des Gemüsemarkts im antiken Rom, in
unmittelbarer Nähe eines prächtigen, dem Gott Apollon gewidmeten Tempels. Das
Gelände, das bereits von Caesar erworben worden war, wurde durch Augustus
bebaut und in Gedenken an seinen 23 v. Chr. verstorbenen Neffen und designierten
Nachfolger Marcellus gewidmet. Es wurde um 13. v. Chr. vollendet. Für den Bau
mussten zwei kleinere Tempel abgerissen werden. Man vermutet, dass es sich
hierbei um einen der Pietas und einen der Diana geweihten Tempel gehandelt hat.
Anders als griechische Theater war das Marcellustheater nicht an einen Berghang
gebaut, sondern stand frei (Hochbau). Es war ungefähr 33 Meter hoch. Etwa
10.000 bis 14.000 Zuschauer fanden Platz in dem Theater aus Travertin und opus
caementicium, das quasi von der Baukonstruktion das Vorbild für das später
entstandene Kolosseum lieferte. Es ist das zweitkleinste Theater der Stadt Rom
gewesen. Ende
des 4. Jahrhunderts n. Chr. setzte der Verfall ein. Das Theater wurde zunehmend
– wie viele öffentliche Gebäude der römischen Antike – als Steinbruch
verwendet. Irgendwann im Lauf des Mittelalters wurden jedoch die noch erhaltenen
Teile als Wohnraum genutzt. Auf die ersten beiden Arkadenreihen baute man Wohnhäuser. Im
13. Jahrhundert ließ die Familie Savelli das Theater zu einer Festung umbauen.
Später, wohl im 16. Jahrhundert, fiel es in den Besitz der römischen
Adelsfamilie Orsini. Diese bauten den Komplex im Renaissancestil um und stützten
die Fassadenteile durch stabilisierende Mauern ab. Noch heute ist dieser Zustand
erhalten und noch heute ist das Theater bewohnt. Aufgrund der zentralen Lage
handelt es sich sogar um sehr begehrte römische Stadtwohnungen. Von 1926 bis
1932 wurden die zahlreichen Anbauten an das Theater beseitigt und die Fassade
wurde bis zum antiken Straßenniveau wieder freigelegt.
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