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Gaius Julius Cäsar wurde 46 v. Chr. hier
auf dem Marsfeld ein erstes, eher provisorisches Stadion für
Spiele griechischen Typs, das heißt athletische Wettkämpfe,
errichtet. Kaiser Domitian baute dieses Stadion 85 n. Chr.
monumental aus. Es hatte die Ausmaße von 275 mal 106 Metern und
bot über 30.000 Zuschauern Platz. Die Außenseite war im
Erdgeschoss mit Arkaden aus Travertinpilastern umgeben. Vom
zweiten Geschoss sind keine Reste archäologisch nachweisbar. Das
Stadion war mit etlichen Kunstwerken, vornehmlich griechischen
Stils, geschmückt. Ein ausgegrabener Torso, der sogenannte
Pasquino, ist in der Nähe aufgestellt. Nachdem das Kolosseum im
Jahr 217 durch ein Feuer schwere Schäden davongetragen hatte und
somit auf Jahre hinaus nicht nutzbar war, wurde das Stadion
neben den Wettkämpfen zusätzlich für Gladiatorenspiele in
Gebrauch genommen. Vermutlich unter Severus Alexander wurde das
Stadion umfangreich restauriert. Auch wenn diese unblutigen,
leichtathletischen Spiele nicht so beliebt waren wie die
Gladiatorenkämpfe, wurden sie doch von vielen Kaisern gefördert.
Der sogenannte kapitolinische Agon (griech. Wettkampf) fand bis
mindestens ins 4. Jahrhundert regelmäßig statt. Von dieser
Bezeichnung Agon leitet sich wohl auch der Name Navona ab. Er
entwickelte sich von in Agone über n’ Agone zu Navona. Außerdem
lebt er in der Kirche Sant’ Agnese in Agone fort. Reste des
antiken Baus sind in der Via Zanardelli sichtbar gemacht worden.
Einige Bögen des antiken Stadions finden sich unterhalb von
Sant’ Agnese in Agone.
Eine erste Kirche wurde innerhalb des
Stadions an der Stelle errichtet, wo die Heilige Agnes der
Legende nach ihr Martyrium erlitten hatte. Nach und nach wurden
Häuser in die Unterbauten der Stadiontribünen eingebaut, die
Arena wurde zu einem Platz, der u. a. für Pferderennen genutzt
wurde. Da die Fundamente und teilweise die Außenwände des
Stadions für die mittelalterlichen Häuser weiter genutzt wurden,
blieb die Form der Arena jedoch bis heute erhalten. 1477
verlegte Papst Sixtus IV. den Markt vom Kapitol hierher. 1495
schließlich wurde der Platz gepflastert.
1470 erwarb Antonio Pamphilj drei Häuser
in der Südwestecke des Platzes. Als 1644 sein Nachfahre Giovanni
Battista Pamphilj zum Papst Innozenz X. (1644–55) gewählt wurde,
wurden Girolamo Rainaldi und später Francesco Borromini
beauftragt, das Anwesen zum neuen Palazzo Pamphilj auszubauen.
Girolamo Rainaldi errichtete die Fassade. Die angrenzende
Galerie (Deckenfresken von Pietro da Cortona), den großen Saal
und die Ovaltreppe schuf Francesco Borromini. Innozenz X.
schenkte den Palast seiner Schwägerin Olimpia Maidalchini, die
auch politisch großen Einfluss auf ihn ausübte. Bereits seit
1920 ist der Palast Sitz der brasilianischen Botschaft. Er
gehört allerdings erst seit 1961 dem brasilianischen Staat. In
einem Teil des Palastes ist außerdem seit dem 19. Jahrhundert
die Philharmonische Akademie untergebracht. Donna Olimpia plante
den Umbau des gesamten Platzes zum Forum Pamphilj, nach dem
Vorbild der antiken Kaiserforen. Dazu verlängerte Borromini die
antike Wasserleitung „Aqua Virgo“ hierher, so dass Bernini 1649
in der Mitte des Platzes den Vierströmebrunnen (Fontana dei
Quattro Fiumi) anlegen konnte. Vier kolossale männliche Figuren
symbolisieren die größten Ströme der damals bekannten vier
Kontinente (Donau, Nil, Ganges und Río de la Plata). Sie lagern
zu Füßen eines Obelisken, er wurde aus der Villa Massenzio in
Via Appia Antica herbeigeschafft, um die Gesamtanlage einem
antiken Circus anzugleichen.
Die zwei älteren Brunnen, die Fontana
del Moro im Süden und der Neptunbrunnen im Norden, die ab 1574
Giacomo della Porta erbaute, wurden von Bernini neugestaltet.
Ihr endgültiges Aussehen bekamen sie jedoch erst im 19.
Jahrhundert. Von 1652 an wurde die Kirche Sant’Agnese in Agone
neu errichtet. Architekten waren Girolamo und Carlo Rainaldi
sowie Borromini, der 1653–57 Kuppel und Fassade schuf. Die
beiden hohen, querovalen Türme und die machtvolle Kuppel bilden
im Zusammenspiel mit dem skulpturalen Brunnen und der
weiträumigen Platzanlage eines der schönsten Ensembles
italienischer Stadtbaukunst. Die Kirche sollte die Grablege der
Pamphilj werden. Mit dem Tod Innozenz’ blieb das Forum Pamphilj
unvollendet. Olimpia Maidalchini wurde von Alexander VII., dem
nachfolgenden Papst, aus Rom verbannt und mit dem winzigen
Fürstentum San Martino belehnt. Das Dorf San Martino al Cimino
ließ sie von Borromini und Bernini komplett neu erbauen. Es ist
in Form und Ausmaßen eine exakte Kopie der Piazza Navona.
Gegenüber dem Palazzo Pamphilj steht die
Kirche Nostra Signora del Sacro Cuore, eine römische
Titelkirche, die im 12. Jahrhundert in die Ruinen des Stadions
eingebaut wurde. Sie wurde von König Ferdinand III. von
Kastilien gestiftet und vor allem von den spanischen Päpsten
immer wieder ausgebaut. Bis 1818 war sie Nationalkirche von
Spanien. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie im 19. Jahrhundert
durch den Architekten Luca Carimini.Die Südseite des Platzes
wird vom Palazzo Braschi bestimmt. Er wurde als letzter
Stadtpalast für einen Papst 1792 für Papst Pius VI. an Stelle
des Palazzo Orsini aus dem 15. Jahrhundert erbaut. Heute
beherbergt er das Museo di Roma. An einer seiner Ecken steht der
Pasquino, die berühmteste der sogenannten sprechenden Statuen
Roms.Neben ihm steht der Palazzo Lancelotti-Torres, der Mitte
des 16. Jahrhunderts von Ludovico Torres, aus Málaga stammender
Erzbischof von Salerno, errichtet wurde. Zusammen mit der Kirche
Nostra Signora del Sacro Cuore und dem Hospiz für spanische
Pilger bildete er eine spanische Insel an der Piazza Navona.
Zu allen Zeiten war die Piazza Navona
ein beliebter Schauplatz für Messen, Märkte und Feste. So die
Giostra del Saracino, ein mittelalterliches Reiterturnier. Im
17. und 18. Jahrhundert vergnügten sich die Römer an den
Samstagen im August bei den Inondate. Dafür ließ man die Brunnen
überlaufen, so dass Jung und Alt im Wasser planschen und sich
vergnügen konnte. Heute findet nur noch in der Weihnachtszeit
bis zum 6. Januar der Markt Befana di piazza Navona statt, auf
dem vor allem Spielsachen verkauft werden. Traditionell bringt
in Rom die Befana die Geschenke am Dreikönigstag. Das ganze Jahr
über wird der Platz stark von Touristen frequentiert.
Infolgedessen wird der Platz von Souvenirhändlern und
Touristencafés bestimmt.
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