SEHENSWÜRDIGKEITEN A bis H


Amstel

Im Mittelalter wurde vom Fluss ausgehend das Veengebiet trockengelegt. Das Gebiet wurde landwirtschaftlich genutzt, später wurde auch Torf abgebaut, der als Brennstoff diente. Dadurch entstand Anfang des dreizehnten Jahrhunderts in diesem Moorgebiet westlich von Ouderkerk die Moorarbeitersiedlung Amstelveen. Durch den Bau eines Damms in der Flussmündung im 13.Jahrhundert im nördlichen Teil von Nieuwer-Amstel das Fischerdorf Amstelerdam, das am 27.Oktober 1275 erstmals urkundlich erwähnt wird und Anfang 1300 die Stadtrechte erhielt. Durch die Lage an der Zuidersee und den Verbindungen nach Deutschland und Skandinavien, und wegen der Flussverbindung nach Dordrecht und Antwerpen, wuchs die Siedlung zu einer kleinen Stadt. Ursprünglich mündete die Amstel, vorbei an Rokin und Damrak, im IJ, heute liegt die Mündung in der Innenstadt am Muntplein. Der letzte Straßenteil entlang der Amstel heißt auch Amstel. Durch Rohrleitungen unter den zugeschütteten Teilen von Rokin und Damrak fließt die Amstel heute ins IJ, das meiste Wasser wird aber über das Grachtensystem abgeführt. Im 17. und 18.Jahrhundert entstanden längs der Amstel viele Wohnsitze reicher Amsterdamer. Die meisten davon sind allerdings verschwunden. Am Amsteldeich stehen noch die Häuser Oostermeer und Westeramstel. Ursprünglich entstand die Amstel aus dem Zusammenfluss der Drecht und der Kromme Mijdrecht südlich von Uithoorn. Durch die Kanalisierung und den Bau des Amstel-Drechtkanals ist der alte Verlauf nicht mehr gut erkennbar. Ein Teil der ehemaligen Amstel gehört heute zum Amstel-Drechtkanal, der am Zusammenfluss der Drecht und des Aarkanals bei Nieuwveen beginnt und bis nach Ouderkerk aan de Amstel, wo der Bullewijk mündet. Insgesamt ist die Amstel mit Kanal 31 Kilometer lang. Während des heißen Sommers 2003 wurde die Fließrichtung der Amstel umgekehrt, um das Groene Hart mit ausreichend Wasser zu versorgen.


Anne-Frank-Haus

Das Anne-Frank-Haus ist ein dem jüdischen Holocaust-Opfer Anne Frank gewidmetes Museum. Es besteht seit 1960 im Haus Prinsengracht 263. Das Haus wurde – ebenso wie das Gebäude nebenan mit der Nummer 265, das später vom Museum gekauft wurde – 1635 von Dirk van Delft gebaut. Die Fassade an der Kanal-Seite entstand bei einer Renovierung im Jahr 1739, als der rückwärtige Anbau abgerissen und durch den heutigen, größeren Anbau ersetzt wurde. Das Haus war ursprünglich eine private Residenz und später ein Warenhaus. Im 19. Jahrhundert waren im vorderen Teil mit seinen weiten, stallartigen Türen Pferde untergebracht. Anfang des 20. Jahrhunderts bezog ein Hersteller von Haushaltswaren das Gebäude. Ihm folgte 1930 eine Produzent von Klavier-Rollen, der den Besitz 1939 aufgab. Am 1. Dezember 1940 zog Annes Vater Otto Frank mit seinen Firmen Opekta und Pectacon vom Singel-Kanal in die Prinsengracht 263.Das Erdgeschoss bestand aus drei Teilen. Vorne befanden sich das Lager und der Lieferanten-Eingang, dahinter die Gewürzmühlen und im hinteren Teil das Warenhaus, in dem die Güter für den Handel verpackt wurden. Auf der ersten Etage befanden sich die Büroräume von Franks Angestellten: Miep Gies, Bep Voskuijl und Johannes Kleiman vorne, Victor Kugler in der Mitte und Otto Frank selbst hinten. Das Hinterhaus ist die rückseitige Verlängerung des Gebäudes. Es war auf allen vier Seiten durch andere Häuser vor Blicken geschützt, wodurch es zum idealen Versteck für die Franks und ihre Freunde wurde. Für acht Personen boten diese Räume weniger als 50 m² Platz; Anne beschrieb es im Vergleich zu ähnlichen Verstecken jedoch als „relativ luxuriös“. Hier verbrachten die Juden zwei Jahre und einen Monat, ehe sie verraten und von den Nationalsozialisten verhaftet wurden. Nach der Verhaftung räumten die NS-Beamten das Versteck und nahmen die Kleidung, Möbel und persönlichen Gegenstände als Eigentum der Regierung mit, das sie an ausgebombte Familien in Deutschland verteilten. Miep Gies und Bep Voskuijl konnten jedoch unter anderem das berühmte Tagebuch der Anne Frank retten.Kurz nach der Veröffentlichung des Tagebuchs kamen bereits die ersten Besucher, die von den Angestellten, die den Franks geholfen hatten, informell durch die geheimen Räume geführt wurden. 1955 wurde der gesamte Block nach dem Umzug der Firma an einen einzigen Immobilienmakler verkauft, der die Häuser abreißen wollte, um an der Stelle eine Fabrik zu bauen. Am 23. November startete die niederländische Zeitung Het Vrije Volk eine Kampagne, um das Anne-Frank-Haus zu erhalten und als geschützten Grundbesitz einzutragen. Am Tag des geplanten Abrisses protestierten die Vertreter der Kampagne vor dem Haus und erreichten einen Vollstreckungsschutz. 1957 überschrieb der damalige Besitzer, eine Mantelfabrik, das Haus als Zeichen des guten Willens der von Otto Frank und Johannes Kleiman am 3. Mai neu gegründeten Anne-Frank-Stiftung. Mit den so freigewordenen Spendengeldern kaufte die Stiftung das Nachbargebäude Nr. 265. Das Versteck blieb so zur Besichtigung unverändert erhalten, während die benachbarten Häuser abgerissen wurden. In den Vorderhäusern wurde 1960 ein Museum über die nationalsozialistische Verfolgung und Unterdrückung eingerichtet, das mehrfach (u.a. 1970 und 1999) renoviert und vergrößert wurde.Alle Räume sind unmöbliert, so dass sich Besucher frei bewegen können. Einige persönliche Dinge sind noch zu sehen: Annes Sammlung von Fotos berühmter Filmstars, die Tapete, auf der Otto das Wachstum seiner Töchter markierte und eine Karte, auf der er den Fortschritt der Alliierten festhielt. Von dem kleinen Raum, in dem damals Peter van Pels lebte, führen Gänge in die ebenfalls von der Stiftung erworbenen Nachbarhäuser. Dort werden neben dem Tagebuch diverse Ausstellungen präsentiert, die verschiedene Aspekte des Holocaust und moderne Fälle von rassistischer Intoleranz dokumentieren. Das Anne-Frank-Haus ist heute eine der zentralen Touristenattraktionen von Amsterdam. Im Jahr der Eröffnung kamen bereits 9.000 Besucher; innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelte sich die Zahl. Am 28. September 1999 wurde das Museum von Königin Beatrix neu eröffnet. Es umfasst nun das gesamte Gebäude und enthält einen Buchladen und ein Café. Die Büroräume wurden in den Zustand der 1940er Jahre zurückversetzt. Im Jahr 2004 besuchten fast eine Million Menschen das Museum.


Begijnhof

Ein Beginenhof  ist die typische Wohnanlage der Beginen, die vor allem im belgischen Flandern und in den Niederlanden vorkommt. Weitere Beginenhöfe gab es in Deutschland, der Schweiz und Frankreichs Norden. Ein Beginenhof liegt in einer Stadt und besteht meistens aus einem um einen Innenhof gruppierten architektonischen Ensemble, bestehend aus kleinen Wohnhäusern der Beginen, einer Kapelle, Nebengebäuden und oft einem größeren Haus für die Beginenmeisterin und mit einem Versammlungsraum. Häufig ist der Innenhof als idyllischer Nutz- und Ziergarten oder Grünanlage gestaltet. Die Anlage ist durch Mauern oder Wassergräben klar von dem Rest der Stadt abgegrenzt. In den Giebeln der Beginenhäuschen befinden sich oft religiöse Sprüche, Heiligen- oder Marienbilder oder die Namen der Schutzheiligen der Bewohnerinnen. Der älteste und zugleich bekannteste Amsterdamer Wohnhof, der im 14. Jh. gestiftete Begijnhof (Beginenhof), steht Besuchern offen, sofern sie die Privatsphäre der Bewohner respektieren. Der ursprüngliche Name der Gemeinschaft, Beguine, leitet sich vermutlich von beggen - beten - ab. Die letzte Begine, Schwester Antonia, starb 1971. Seit einigen Jahren erfreuen sich die Wohnhöfe besonders bei jüngeren Leuten großer Beliebtheit. So haben sich im Begijnhof neben älteren Damen inzwischen auch einige Studentinnen einquartiert. Insgesamt 47 schmale Giebelhäuser mit gepflegten Vorgärten sowie zwei Kirchen säumen eine Wiese mit Bäumen und Blumen, deren Blüte im Frühjahr das ohnehin malerische Bild zusätzlich verschönt, ein grünes Idyll inmitten der Großstadt. Von der ursprünglichen Bebauung - das erste Haus der Hofanlage entstand 1346 - ist nach mehreren Bränden im 15. Jh. allerdings nichts mehr erhalten. Die heutigen Gebäude stammen größtenteils aus dem 17./18. Jh. Mit dem Houten Huys (Nr. 34) hat gerade einmal ein einziges Haus die verheerenden Brände des 15. Jh. schadlos überstanden. Es stammt von 1477, ist das älteste Wohnhaus Amsterdams und zugleich eines der beiden letzten Holzbauten der Stadt. In die Wand links neben dem Houten Huys hat man alte Giebel- und Reliefsteine von nicht mehr erhaltenen Wohnhäusern eingemauert, die größtenteils Darstellungen aus dem Neuen Testament aufweisen, z. B. ›De Vlucht va Egipten. Von den heutigen Gebäuden tragen nur noch wenige Giebelsteine. Weiterhin sehenswert ist Haus Nr. 6, mit nur 1,45 m Breite eines der schmalsten Gebäude Amsterdams. Die um 1392 erbaute gotische Kirche diente im Mittelalter als Gebetsstätte für Wallfahrer, denn auch hier wurde zwischenzeitlich die Hostienreliquie aufbewahrt. 1490 brannte das Gotteshaus ab, wurde jedoch rasch wieder aufgebaut. 1607 überließen die Calvinisten die im Zuge der Reformation übernommene Kirche den in England verfolgten und in die Niederlande geflohenen Presbyterianern. Noch heute ist die meist nur zu den Gottesdiensten geöffnete Kirche Gebetsstätte der englisch-presbyterianischen Gemeinde. Nachdem die Calvinisten den Katholiken die öffentliche Ausübung ihres Glaubens untersagt hatten, entstanden überall in der Stadt hinter den unscheinbaren Fassaden von Privathäusern Geheimkirchen, so auch im Begijnhof in zwei benachbarten Häusern gegenüber der eigentlichen Kirche. Auch die Geheimkirche war jahrelang Aufbewahrungsort der Hostienreliquie. Die Kirchenfenster sowie mehrere Gemälde im Inneren erinnern an das Wunder.


Beurs van Berlage

Die Beurs van Berlage, ehemaliges Gebäude der Amsterdamer Börse, wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach den Plänen des niederländischen Architekten Hendrik Petrus Berlage erbaut. Die Gemeinde Amsterdam schrieb im Jahre 1884 einen Wettbewerb für den Bau eines Börsengebäudes auf einem gerade trockengelegten Grundstück am Damrak aus. Anlass dafür war das ökonomische Aufleben und die Tatsache, dass die damals bestehende Börse von Jan David Zocher aus dem Jahr 1848 baufällig geworden war. Hendrik Petrus Berlage nahm zusammen mit seinem damaligen Partner Theodore Sanders an dem Wettbewerb teil und konnte sich zu den 5 Teilnehmern zählen, die ihre Pläne für eine zweite Vorlage überarbeiten durften. Es kam jedoch keiner der fünf Entwürfe zur Ausführung. 1894 ließ die Gemeinde den Architekten A. W. Weissman einen Plan für den Umbau der Zocher-Börse entwickeln. Dieser Plan diente Berlage als Basis für einen weiteren Entwurf. Durch den Einfluss des städtischen Beigeordneten für Öffentliche Angelegenheiten Treub konnte er diesen Entwurf letztendlich ohne größere Hindernisse realisieren. Eine klare stilistische Einordnung der Börse ist schwierig - es sind zwar Merkmale des Historismus und Jugendstils zu finden, aber das Gebäude wird vor allem als Beginn des modernen Bauens in den Niederlanden gesehen, aus dem sich u.a. die Amsterdamer Schule weiterentwickelte. Die Börse, die Berlage selbst keineswegs für seinen besten Bau hielt, entwickelte sich nach anfänglicher Kritik ("Antiarchitektur", "Ziegelschuppen") zu einem nationalen Monument, zu einem Mythos, der das sonstige Oeuvre des "Börsenbaumeisters" überstrahlen sollte. 1999 wurde die Berlage-Börse von der Union Internationale des Architectes auf die Liste der 1000 wichtigsten Bauwerke des 20. Jahrhunderts gesetzt. Der nördliche Teil wird seit 1987 vom Niederländischen Philharmonieorchester vorwiegend als Bürogebäude genutzt - die ehemaligen Räumlichkeiten der Getreide- und Wertpapierbörse finden jedoch heute auch als Probe- und Konzerträume Verwendung. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs ging das Handelsvolumen an der Amsterdamer Börse mehr und mehr zurück und das Börsengebäude von Berlage wurde baufällig. 1959 wurden im Gemeinderat Stimmen laut, es abzureißen. 1960 wurde aber beschlossen, es zu sanieren und künftig als Konzertsaal und für Ausstellungen zu verwenden. Der letzte Börsenhandel, namentlich der Agrarische Terminmarkt, zog 1998 aus dem Gebäude aus. Schon seit 1987 dient der imposante Saal der früheren Warenbörse mit seinem großen Glasdach, den gekrümmten Eisenträgern und zwei Galerien als Ausstellungsraum und Konzertsaal. Heute dient der Bau, mit einem kleinen Museum über die Geschichte des Gebäudes, als Konzert und Ausstellungsgebäude. Am 2. Februar 2002 fand hier die standesamtliche Trauung des Thronfolgers Willem-Alexander mit Máxima Zorreguieta statt.


Bloemenmarkt

Der Bloemenmarkt am linken Singelufer gelegen, ist der letzte schwimmende Blumenmarkt der Stadt. Früher segelten die Gärtnereibesitzer die Amstel hinauf und verkauften ihre Schnittblumen und Pflanzen direkt vom Boot aus. Mittlerweile handelt es sich um einen ständigen Markt. Er wird zwar mehr und mehr zum Touristenmagneten, trotzdem sollte man sich das angenehm duftende Blumenmeer nicht entgehen lassen.


Centraal Station

Die 1889 eröffnete Centraal Station sollte den alten Hafen, das alte Stadtzentrum, ersetzen. Der klassizistische Backsteinbau ist der wichtigste Verkehrsknotenpunkt (1.400 Züge täglich), steht auf 3 künstlich angelegten Inseln, wird durch 8.600 Holzpfeiler gestützt und ist ein ein-drucksvolles Tor zur Stadt. Die Zeiger des rechten Turms zeigen die Zeit an, die des linken Turms die Windrichtung. Amsterdam Centraal ist heutzutage der zentrale Eisenbahnknotenpunkt der Niederlande und verbindet Amsterdam mit den europäischen Großstädten Paris, Brüssel, Antwerpen, Berlin, Köln, Frankfurt am Main, München, Basel und Zürich. Als wichtigster Fernbahnhof in den Niederlanden verfügt der Amsterdamer Hauptbahnhof über Anschlüsse mit dem europäischen Fernverkehr und ist somit Haltepunkt der Hochgeschwindigkeitszüge ICE und Thalys, sowie für den europäischen Nachtreisezug CityNightLine. Weiterhin ist Amsterdam Centraal ein Knotenpunkt für den regionalen- und städtischen Verkehr der Stadt Amsterdam und der umliegenden Region. So halten hier auch zahlreiche Busse, Straßenbahnen und die städtische Metro.


Damrak

Der Damrak ist das ehemalige äußere Hafenbecken Amsterdams. Es lag vor dem Damm, der das innere Becken (Rokin) abtrennte. Die Bezeichnung des Dammes hat sich im Platznamen "Dam" erhalten. Unter dem Kaufhaus De Bijenkorf und der Börse von Berlage zieht sich das Wasser bis zum Hauptbahnhof hinaus, wo die Amstel ehemals in die Zuidersee mündete.


Heineken Brauerei

1864 übernahm Gerard Adriaan Heineken die De Hooiberg (der Heuhaufen) Brauerei am Nieuwezijds Voorburgwal. Diese Übernahme ist der Grundstein einer der größten Brauereien weltweit. 1868 begann die Firma mit dem Bau des Gebäudes am Stadhouderskade, jedoch wird es schon seit 1988 nicht mehr aktiv genutzt. Heutzutage ist es das Firmenmuseum, sowie ein Treff- und Informationscenter. Es zeigt dem Besucher die Geschichte der Heineken Brauerei, die Pferdeställe, den Pub, das alte Kupferbrauhaus und eine Ausstellung.


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