Allgemeines

Eine aktuelle Reisemängeltabelle HIER (Frankfurter Tabelle)

Eine aktuelle "schwarze Liste" der Fluggesellschaften findet man HIER


Definition - Reisemangel

Bei der Pauschalreise liegt nach dem Gesetz ein Mangel dann vor, wenn zum einen die vom Veranstalter versprochenen Leistungen nicht geboten werden und zum anderen die Reise mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder nach dem Vertrag vorausgesetzten Nutzen deutlich mindern. Ein Reisemangel ist also in der Regel dann gegeben, wenn die Reiseleistungen des Veranstalters von den Vereinbarungen im Reisevertrag abweichen (insbesondere sind dabei zu berücksichtigen die Prospektbeschreibung, die Reisebestätigung, verbindliche Zusatzvereinbarungen, Informationspflichten des Reiseveranstalters). Auch der Reisecharakter (z.B. Sportreise, Jagdreise, Bildungsreise), kann bei der Beurteilung, ob ein Mangel vorliegt, eine Rolle spielen, da sich hieraus konkrete Abweichungen vom vertraglich vorausgesetzten Nutzen der Reise ergeben können (z.B. unqualifizierter, nicht deutschsprachiger Reiseleiter bei einer Bildungsreise LG Düsseldorf, RRA 1997, Seite 135, ADAJUR-DokNr: 28052).


Was ist nicht als Reisemangel zu bezeichnen? (BEISPIELE)

- Kein Reisemangel liegt in der Regel vor, wenn es sich um bloße Unannehmlichkeiten handelt, die im Rahmen des Massentourismus hinzunehmen sind (z.B. Flugverspätung um 8 Stunden bei Fernreise, OLG Düsseldorf, veröffentlicht in NJW-RR 1992, Seite 1330; ADAJUR-DokNr: 16999; Wartezeit nach der Ankunft im Hotel bis zur Zimmerzuweisung OLG Düsseldorf, VUR 1995, Seite 216, ADAJUR-DokNr: 27562).

- Auch landesübliche Gegebenheiten des Reiselandes führen nicht zu einem Reisemangel (z.B. Insekten in südlichen Ländern oder tropischen Gebieten, LG Frankfurt am Main, NJW-RR 1993, Seite 1146; ADAJUR-DokNr: 17779 sowie LG Hamburg, RRA 1997, Seite 97, ADAJUR-DokNr: 19142).

- Nicht als Reisemangel zu werten sind auch Störungen, die dem allgemeinen Lebensrisiko des Reisenden zuzurechnen sind, z.B. ein allgemeines privates Unfallrisiko oder eine allgemeine Überfallgefahr (LG Frankfurt am Main, NJW-RR 1993, Seite 632, ADAJUR-DokNr: 16428, AG Freiburg, RRA 1998, Seite 54, ADAJUR-DokNr: 29835, AG Hamburg, RRA 1999, Seite 208, ADAJUR-DokNr: 32131).


Mängelanzeige / Reisepreisminderung

Bei der Pauschalreise steht dem Kunden der Reiseveranstalter als Anspruchsgegner gegenüber. Ansprüche bzgl. einer Reisepreisminderung wegen eines Reisemangels sind daher regelmäßig beim Reiseveranstalter direkt einzureichen, nicht beim Reisebüro. Eventuell kann aber das Reisebüro Ihr Beschwerdeschreiben an den Veranstalter weiterleiten. Der erste Schritt beim Auftreten eines Reisemangels ist jedoch regelmäßig noch am Urlaubsort der Gang zur Reiseleitung, damit möglichst sofort Abhilfe geschafft werden kann. Denn nach deutschem Reiserecht müssen Sie einen Reisemangel zunächst am Urlaubsort rügen und Abhilfe verlangen.

Lässt sich das Problem vor Ort nicht beheben oder ist eine Reiseleitung nicht erreichbar, müssen Sie spätestens einen Monat nach Rückkehr aus dem Urlaub eine schriftliche Beschwerde an den Reiseveranstalter richten. Beschreiben Sie darin den Reisemangel und fordern Sie konkret eine Reisepreisminderung. Dieses Schreiben schicken Sie am besten per Einschreiben/Rückschein an den Veranstalter. Reagiert dieser auf Ihr Schreiben nicht, müssen Sie nachhaken und notfalls Klage erheben, da sonst Ihr Anspruch nach zwei Jahren verjährt.


Beweise sichern

Im Falle eines Reisemangels sollten Sie versuchen, Beweise zu beschaffen, die Sie notfalls bei einem Rechtsstreit vorlegen können. Machen Sie deshalb möglichst Fotos z.B. vom verschmutzten Schwimmingpool, holen Sie bei einer Flugverspätung eine Bestätigung der Fluggesellschaft ein und sammeln Sie Anschriften von Zeugen, die den Reisemangel bestätigen können.


Minderung des Reisepreises

Wie hoch die Minderung bei einem Reisemangel ausfällt, hängt grundsätzlich vom Einzelfall ab. Einen Anhaltspunkt hierfür kann jedoch die „ADAC-Tabelle zur Reisepreisminderung“ bieten, die man HIER abrufen können. Sie ist vom ADAC entwickelt worden und enthält eine Übersicht über ca. 270 Gerichtsurteile zum Thema „Reisemangel“. Diese Tabelle kann als Orientierungshilfe dienen, sie ist jedoch nicht als verbindlich zu bewerten, da jeweils die Besonderheiten des Einzelfalles berücksichtigt werden müssen.


Reisegutscheine als Entschädigung für einen Reisemangel

Wer berechtigterweise eine Preisminderung wegen eines Reisemangels fordert, muss sich nicht auf einen Reisegutschein einlassen. Es besteht in diesem Fall ein Rechtsanspruch auf Auszahlung der Preisminderung (in der Regel übersendet der Veranstalter einen Verrechnungsscheck, wenn er den Reisemangel anerkennt).


Vorsicht bei einem Vergleich!

Wer Mängelansprüche anmeldet und daraufhin vom Reiseveranstalter einen Scheck erhält, verliert weitergehende Rechtsansprüche, wenn er diesen Scheck widerspruchslos einlöst! Denn in diesem Fall gilt das Angebot des Reiseveranstalters auf einen (außergerichtlichen) Vergleich als angenommen (AG Ludwigsburg, RRA 1998, Seite 115, ADAJUR-DokNr: 31359 sowie LG Kleve, RRA 1998, Seite 157, ADAJUR-DokNr: 31789). Wer mit der Höhe der Reisepreisminderung nicht einverstanden ist und weitere Rechtsansprüche geltend machen möchte, sollte daher den vom Reiseveranstalter angebotenen Scheck nicht annehmen!


ONLINE STREITBEILEGUNG

Online-Streitbeilegung gemäß Art. 14 Abs. 1 ODR-VO: Die Europäische Kommission stellt eine Plattform zur Online-Streitbeilegung (OS) bereit, die man unter HIER finden kann.


FRANKFURTER TABELLE

Die Frankfurter Tabelle ist eine im Reiserecht gebräuchliche Liste zur Abschätzung der Höhe von Gewährleistungsansprüchen (Reisepreisminderungen) bei berechtigten Reisemängeln einer Pauschalreise. Die Liste ist weder für Gerichte noch für Reiseveranstalter verbindlich. Sie dient nur zur Orientierung. Ausgearbeitet wurde die Liste von der 24. Zivilkammer des Frankfurter Landgerichts. 


Links

www.reisemangel.de (Alles zum Thema Reiserecht)

www.ra-kotz.de (Webseite mit genauen Urteils-Texten)

www.recht-in.de (Urteils-Datenbank)

www.fuehrich.de (aktuelle Webseite mit vielen Urteilen)

www.jurawelt.com (Urteilsdatenbank)

  



HINWEISE

Diese Passagierrechte sind in einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2004 festgelegt. Die Vorschriften gelten für alle Fluggesellschaften mit Sitz in der EU sowie für andere internationale Fluglinien, wenn der Start innerhalb der EU geplant war.


AUSFALL / VERSPÄTUNG

Fällt der Flug aus oder ist um mehr als 5 Stunden verspätet, muss man sich mit der Airline in Verbindung setzen, die den Flug durchführen wollte. Folgendes kann man verlangen:

- erstattung Ticketpreis

- anderen Weg zum Zielort (Achtung: Umbuchung und Bahnfahrten möglich)


KOSTENÜBERNAHME / Betreuungsleistungen

Wenn der Flug annulliert wird oder sich deutlich verspätet, muss die Fluggesellschaft laut EU-Verordnung für sogenannte Betreuungsleistungen der betroffenen Passagiere aufkommen - unabhängig davon, ob die Fluggesellschaft für die Verspätung direkt verantwortlich oder durch Umstände wie einen Fluglotsenstreik nur sekundär betroffen ist. Darunter fällt zum Beispiel die Verpflegung während der Wartezeit auf den späteren Flug und gegebenenfalls eine oder mehrere Übernachtungen im Hotel. Zudem müssen den Passagieren zwei kostenlose Telefonate beziehungsweise Faxe oder E-Mails ermöglicht werden. Wann Passagiere Anspruch auf Betreuungsleistungen haben, hängt bei Verspätungen von der Wartezeit und der Flugstrecke ab.

Unterstützung gibt es nach zwei Stunden Wartezeit für Flüge bis zu 1500 Kilometer, nach drei Stunden für eine Strecke von 1500 bis 3500 Kilometer und nach vier Stunden bei einer Distanz von mehr als 3500 Kilometern. Grundsätzlich müssen alle Fluggesellschaften - sowohl europäische als auch außereuropäische -, die von Flughäfen innerhalb der EU starten, eine Betreuungsleistung erbringen. Anders sieht es bei Flügen von einem außereuropäischen Flughafen aus, deren Ziel in der EU liegt. Hier sind nur europäische Fluglinien verpflichtet, ihre Fluggäste zu betreuen.


WEITERE ANSPÜCHE

Bei einer Annullierung oder einer Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere laut EU-Verordnung einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen in Höhe von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Zu solchen zählen vor allem Ereignisse, die den Luftverkehr von außen treffen, so etwa Witterungsbedingungen, Naturkatastrophen oder ein Radarausfall.

Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) und des Bundesgerichtshofs (BGH) zählen auch Streiks von Piloten oder Fluglotsen zu solchen "außergewöhnlichen Umständen" ebenso wie Naturereignisse (Vulkanausbrüche u.ä.) oder auch der längere KomplettAusfall von Computersystemen (BGH 2019). Keine außergewöhnlichen Umstände sind dagegen solche, die von der Fluggesellschaft selbst verschuldet oder von ihr zu beherrschen sind: fahrlässige Beschädigungen am Flugzeug etwa. Auch Erkrankungen von Flugpersonal zählen nach bisheriger Rechtsprechung nicht zu außergewöhnlichen Umständen.


PAUSCHALREISEN UND FLIEGEN

Wenn der Hinflug einer Pauschalreise betroffen ist, bestehen verschiedene Möglichkeiten. Veranstalter und Reisender können die Pauschalreise kündigen, wenn sie aufgrund höherer Gewalt erschwert oder beeinträchtigt ist. Der Reisepreis muss dann nicht mehr gezahlt werden. Falls sich für den Veranstalter Stornokosten bei einem reservierten Hotel oder anderen Anbietern ergeben, werden die Kosten laut der bisherigen Rechtsprechung aufgeteilt. Beide Seiten können sich auch darauf einigen, dass der Kunde die Pauschalreise mit einem umgebuchten Flug später antritt. In diesem Fall kann der Kunde verlangen, dass der Reisepreis für die entgangenen Urlaubstage anteilig erstattet wird.

Falls der Rückflug einer Pauschalreise ausfällt, kann der Veranstalter zwar den Vertrag mit dem Kunden kündigen, muss ihn aber auf jeden Fall nach Deutschland zurücktransportieren. Dies kann durch eine kostenlose Umbuchung auf einen anderen Flug geschehen oder gegebenenfalls auf einem anderen Weg wie etwa mit dem Schiff oder der Bahn. Pauschalurlauber, denen dadurch Mehrkosten wie Hotelübernachtungen entstehen, haben in der Regel ein Anrecht auf Erstattung - allerdings durch die Fluggesellschaft und nicht durch den Reiseveranstalter. Kündigt der Veranstalter den Vertrag nicht, muss er alle zusätzlichen Kosten für die Unterbringung übernehmen.


ANsprüche geltend machen

Eine Umbuchung bei Ausfall oder Verspätung eines Flugs erfolgt in der Regel direkt am Schalter der jeweiligen Fluggesellschaft am Flughafen. Bei Geldforderungen - im Falle von Rückerstattungen, Betreuungsleistungen oder Ausgleichszahlungen - sollte sich der Fluggast schriftlich an die Fluggesellschaft wenden. Verbraucherzentralen raten, hier den Fall genau zu schildern und anzugeben, wann die Fluggesellschaft die Reisenden über Ausfall oder Verspätung informiert hat. Auch sollten hier bereits Angaben zu Forderungen gemacht werden.

Eine Bestätigung des Flugausfalls oder der Verspätung ist von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Bei Fragen und Unsicherheiten rund um die Fluggastrechte helfen Verbraucherzentralen oder das Luftfahrt-Bundesamt weiter. Lehnt die Fluggesellschaft die Forderung ab, hat der Fluggast die Möglichkeit, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) zu wenden.


Fotos, Texte. Grafiken: JHreisen - Wikipedia / Daten und Links ohne Gewähr (01.2019) / dies ist KEINE RECHTSBERATUNG!!!!!!!