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| D-Day (06.Juni 1944) | Französische revolution | Napoleon Bonaparte | |
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Zusammenfassung |
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Die Geschichte Frankreichs umfasst die
Entwicklungen auf dem Gebiet der Französischen Republik von der
Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie beginnt in vorgeschichtlicher Zeit.
So lassen sich altsteinzeitliche Wohnhöhlen in der Dordogne und
Megalithkulturen in der Bretagne nachweisen. In der Bronzezeit drangen
ab 700 v. Chr. Kelten ein. Cäsar eroberte von 58–51 v. Chr. Gallien und
inkorporierte das Gebiet in das Römische Reich. Durch die
Völkerwanderung im 5. Jahrhundert strömten Franken, Westgoten und
Burgunder ins Land und passten sich der gallo-römischen Kultur an. Es
folgte die Bildung des Fränkischen Reichs (5.–9. Jahrhundert) durch
Chlodwig I., welcher um 500 das Christentum annahm. Pippin der Jüngere
begründete 751 die Dynastie der Karolinger. Sein Sohn, Karl der Große
(französisch Charlemagne), vereinte das Frankenreich mit Sachsen, Bayern
und Oberitalien. 800 ließ er sich vom Papst zum Kaiser krönen. Die Geschichte Frankreichs als eigenständiger
Staat beginnt um 831/832, als Kaiser Ludwig der Fromme (778–840) von
seinen Söhnen entmachtet wurde. Sie teilten das Frankenreich im Vertrag
von Verdun 843 endgültig in einen östlichen, einen mittleren und einen
westlichen Teil. Der westliche Teil kann als der Anfang des heutigen
Frankreichs betrachtet werden. Durch das Fränkische Erbrecht kam es in
den ersten Jahrhunderten zu einer zunehmenden Zersplitterung des Landes.
Im Bund mit der Kirche und den aufstrebenden Städten konnten die Könige
gegen die Feudalherren langsam ihre Macht ausweiten. Heinrich II.,
Herzog der Normandie und seit 1154 König von England, erwarb durch
Heirat große Teile Frankreichs und verstärkte so den Einfluss der
Engländer im Land. Mit dem Aufstieg der Kapetinger zum
Herrschergeschlecht war ein kultureller Höhenflug verbunden. Zudem
stärkte Philipp IV. (der Schöne, 1285–1314) die Königsmacht und
erkämpfte für Frankreich bis Ende des 13. Jahrhunderts die
Vormachtstellung in Europa.Nach dem Aussterben der Kapetinger erhob der
englische König Eduard III. Anspruch auf den französischen Thron und gab
damit Anlass für den Hundertjährigen Krieg (1339–1453), in dem
Frankreich schließlich von den Engländern befreit und diese somit fast
vollständig vom Kontinent vertrieben wurden. Die Valois (1328–1589)
wehrten sich mit Hilfe der Eidgenossen siegreich gegen Burgund. Aus dem
Streit um die burgundischen Besitzungen entstand der jahrhundertelange
Machtkampf gegen die spanisch-habsburgische Macht. Die Reformation erfasste den Adel und das
Bürgertum. 1559–1598 bekämpften sich Katholiken und Hugenotten in den
Hugenottenkriegen. Das Edikt von Nantes (1598) sicherte den Hugenotten
Religionsfreiheit, wurde jedoch mit dem Edikt von Fontainebleau 1685
weitgehend aufgehoben. Die Jahre der Staatsführung der Kardinäle
Richelieu (1624–1642) und Mazarin (1642–1661) stärkten die Zentralgewalt
des Königs. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) gewann Frankreich die
erneute politische und kulturelle Vormacht in Europa. Ludwig XIV.
(1661–1715) vollendete den Absolutismus in Frankreich. Er führte eine
aggressive Außenpolitik, die Frankreich auf Kosten seiner Nachbarn
vergrößerte und in einen weltweiten Dauergegensatz mit England mündete.
Dabei verausgabte sich das Land zunehmend, was nach dem langen
Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1713) zu einer steigenden
Staatsverschuldung führte. Die Bauern und Arbeiter waren auch als Folge
der kostspieligen Kriege verarmt und das Bürgertum wollte mehr
Mitbestimmung. Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 war Sinnbild
für den Sturz des Absolutismus und den Beginn der Französischen
Revolution, in deren Zuge 1792 die Erste Republik ausgerufen wurde. Der Machtergreifung Napoleons am 9. November
1799 folgten die Napoleonischen Kriege um die Eroberung Europas, die mit
der Schlacht bei Waterloo (18. Juni 1815) in einer endgültigen
Niederlage Frankreichs endeten. 1815 wurde Europa durch den Wiener
Kongress neu geordnet. Frankreich kam dabei glimpflich davon. Die
französische Grenze wurde auf den Stand von 1792 festgelegt, die
Monarchie wieder eingesetzt. Mit Ludwig XVIII. kehrte das Haus Bourbon
auf den Thron zurück. Die Julirevolution von 1830 zwang seinen
Nachfolger Karl X. jedoch zur Abdankung. Es entstand die sogenannte
Julimonarchie unter Louis-Philippe I. In Europa bildeten sich nach 1871 zwei
Machtblöcke: auf der einen Seite der Zweibund/Dreibund (1879 schlossen
das Deutsche Kaiserreich und Österreich-Ungarn den Zweibund; im Mai 1882
trat Italien diesem bei), auf der anderen Seite die Triple Entente aus
Frankreich, Großbritannien und Russland (entstanden 1894–1907). Diese
Konstellation führte zum Ersten Weltkrieg (1914–1918). Am Ende stand
Frankreich auf der Seite der Sieger. Auf den Ausbruch des Zweiten
Weltkrieges (1. September 1939) war Frankreich wegen innenpolitischer
Konflikte militärisch schlecht vorbereitet, die Bedeutung der 1930–1940
gebauten Maginot-Linie zur Verteidigung des Landes wurde überbewertet.
Nach einem monatelangen „Sitzkrieg“ begann die Wehrmacht am 10. Mai 1940
den Westfeldzug mit einem schnellen Einmarsch in den Benelux-Ländern.
Anfang Juni vertrieb sie die britischen Truppen vom Festland (Schlacht
von Dünkirchen); Mitte Juni besetzte sie kampflos Paris. Am 22. Juni
1940 unterschrieb Frankreich den kapitulationsähnlichen Waffenstillstand
von Compiègne, wodurch Frankreich im weiteren Kriegsverlauf in eine
besetzte Zone im Norden und eine unbesetzte Zone im Süden geteilt wurde.
Zunächst regierte das Vichy-Regime den Süden; im November 1942 besetzten
Truppen der Wehrmacht auch den Süden („Unternehmen Anton“). Charles de
Gaulle nahm die Befreiung von Paris am 25. August 1944 zum Anlass, die
Vierte Republik auszurufen. Die französischen Kolonien strebten nach 1945
nach Unabhängigkeit: Es folgte 1954 der Rückzug aus Indochina, 1956 die
Unabhängigkeit Marokkos und Tunesiens. In Algerien, das als Teil vom
Mutterland galt, entbrannte 1954–1962 der Algerienkrieg. In allen
militärischen Konflikten kam es seitens Frankreichs zu massiven
Menschenrechtsverletzungen. Algerien erhielt im Jahr 1962 die
Unabhängigkeit. Von 1960 bis 1966 gab es 17 französische Kernwaffentests
in Algerien; beim letzten von vier oberirdischen Tests am 25. April 1961
setzte Frankreich einen Trupp von 300 Soldaten wissentlich ionisierender
Strahlung aus. Als Staatspräsident bestimmte de Gaulle die
politische Entwicklung Frankreichs bis 1969. Zwischen 1958 und 1960
wurden die afrikanischen Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen. Im
Zuge des anhaltenden Algerienkrieges wurde im Oktober 1961 in Paris eine
nicht genehmigte, aber friedliche Demonstration mehrerer zehntausend
Algerier blutig niedergeschlagen, zu der die algerische
Unabhängigkeitsbewegung FLN aufgerufen hatte. Das Massaker von Paris,
bei dem mindestens 200 Menschen ihr Leben verloren,[5] wurde in den
französischen Medien für lange Zeit totgeschwiegen und sollte erst über
50 Jahre später durch den französischen Staatspräsidenten François
Hollande anerkannt und verurteilt werden.[6] Der Algerienkrieg wurde am
18. März 1962 mit den Verträgen von Évian und gegen den Widerstand
großer Teile der Generalität und vieler Algerienfranzosen beendet. Damit
war die algerische Unabhängigkeit besiegelt, die meisten Franzosen
mussten Algerien daraufhin verlassen. Die französische
Untergrundbewegung Organisation de l’armée secrète (OAS), die den Status
Algeriens als Bestandteil des französischen Mutterlandes erhalten
wollte, suchte daraufhin die offene Konfrontation mit dem Staat, was in
einem Attentat auf den französischen Staatspräsidenten de Gaulle
mündete. Die Entwicklung einer eigenen Atomstreitmacht
und die Lösung aus der militärischen Integration in die NATO dienten der
angestrebten Rolle einer selbständigen Großmacht. Weitere
außenpolitische Ziele waren ein „Europa der Vaterländer“ und die
Annäherung an die Ostblockstaaten. Mit dem Élysée-Vertrag (1963)
verstärkte sich die Annäherung und die Kooperation in den
deutsch-französischen Beziehungen. Gegen den Beitritt Großbritanniens
zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) legte Frankreich sein
Veto ein. Bei den ersten direkten Präsidentschaftswahlen 1965 wurde de
Gaulle in seinem Amt bestätigt. Sein Nachfolger Georges Pompidou, der von 1962
bis 1968 Premierminister war, führte die Politik des Gaullismus im
Wesentlichen fort und trieb die wirtschaftliche Modernisierung des
Landes voran. Sein Premierminister war zunächst Jacques Chaban-Delmas,
ab 1972 Pierre Messmer. Um 1971, also schon vor der Ölpreiskrise von
1973, beschloss Frankreich, sich durch Nutzung der Kernenergie vom Erdöl
unabhängiger zu machen. Pompidou förderte insbesondere die französische
Autoindustrie und den Bau von Schnellstraßen in den Städten, dagegen
wurden beim Schienenverkehr zahlreiche Nebenstrecken endgültig
stillgelegt. Ebenso fällt die Konkretisierung einiger technischer
Großprojekte in seine Amtszeit: Erster Flug einer Concorde 1969,
Gründung des Airbus-Konsortiums 1970, erster Prototyp eines TGVs 1972,
Start des Ariane-Programms 1973. Außenpolitisch befürwortete Pompidou
die politische Einigung Europas und die Erweiterung der EWG,
insbesondere den Beitritt Großbritanniens. Nach dem plötzlichen Tod von Georges Pompidou im
Jahre 1974 wurde der liberal-konservative Valéry Giscard d’Estaing, der
zuvor Minister für Finanzen und Wirtschaft war, sein Nachfolger. Er
gewann knapp die Präsidentschaftswahlen gegen François Mitterrand, dem
Vorsitzenden der 1972 gegründeten Parti socialiste und gemeinsamen
Kandidaten der Linken. In seiner Amtszeit wurde ein gesellschaftliches
Reformprogramm durchgesetzt, wie etwa die Liberalisierung der Abtreibung
und eine Gesetzgebung zur Ehescheidung in gegenseitigem Einvernehmen.
Als entschiedener Befürworter des europäischen Aufbauprozesses
begründete Giscard d’Estaing unter anderem die regelmäßige Abhaltung von
Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EWG. Als Folge der
Ölkrise trat ab 1975 eine neue Form von Massenarbeitslosigkeit auf.
Daraufhin trat der Premierminister Jacques Chirac 1976 zurück, sein
Nachfolger Raymond Barre war zu einer strengen Sparpolitik gezwungen.
1979 kam es in einer Banlieue von Lyon zu den ersten Jugendunruhen. Eine Zäsur war der Sieg von François Mitterrand
bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich 1981 und die
Regierungsübernahme der Sozialistischen Partei bei den direkt
anschließenden Parlamentswahlen. Mitterrand war das erste sozialistische
Staatsoberhaupt der Fünften Republik. Er änderte aber nichts an den
Institutionen, sondern regierte mit denselben Mitteln wie seine
Vorgänger; seit dieser Zeit war das System der Fünften Republik auch von
der Linken weitgehend akzeptiert. Im Jahr 1986 verlor die Linke bei den
Parlamentswahlen ihre Mehrheit und es kam zur ersten Cohabitation der
Fünften Republik mit Jacques Chirac von der gaullistischen RPR als
Premierminister. Bei den nächsten Präsidentschaftswahlen 1988 setzte
sich Mitterrand dann in der zweiten Runde gegen seinen Premier durch.
Während dieser Präsidentschaft waren vier Premierminister im Amt: Die
Sozialisten Michel Rocard, Édith Cresson und Pierre Bérégovoy sowie ab
1993 in einer weiteren Cohabitation der gaullistische Édouard Balladur.
Als wichtige soziale Maßnahme führte die Regierung die Sozialhilfe
Revenu minimum d'insertion (RMI) ein. Der deutschen Wiedervereinigung
stimmte Mitterrand nach anfänglichem Zögern zu. Frankreich beteiligte
sich 1991 am Zweiten Golfkrieg und ratifizierte 1992 den Vertrag von
Maastricht. 1995 gewann Chirac die Präsidentschaftswahl in
Frankreich 2002 gegen den PS-Kandidaten Lionel Jospin, zum
Premierminister wurde Alain Juppé ernannt. Ende 1995 kam es zu Streiks
hauptsächlich gegen die geplante Reform der Renten und der
Sozialversicherungen; es waren die größten Streiks seit Mai 1968. Nach
einer um ein Jahr vorgezogenen Parlamentswahl verlor Chirac 1997 die
absolute Mehrheit in der Nationalversammlung. So kam es zu einer
fünfjährigen Cohabitation mit einem Kabinett unter Jospin, das auf einer
Allianz linker Parteien basierte (frz. Gauche plurielle). Zur Schaffung
neuer Arbeitsplätze wurde unter anderem die 35-Stunden Woche eingeführt,
vorangetrieben durch Ministerin Martine Aubry. Außerdem bereitete die
Regierung die Einführung des Euro als neue gemeinsame europäische
Währung vor, am 1. Januar 2002 löste er den französischen Franc als
Zahlungsmittel ab. Durch ein Referendum wurde im Jahr 2000 die
Amtszeit des Präsidenten von sieben auf fünf Jahre reduziert. Außerdem
sollten in Zukunft die Parlamentswahlen direkt nach den
Präsidentschaftswahlen stattfinden, um dem Präsidenten immer eine
Mehrheit im Parlament zu sichern. Bei den Wahlen 2002 belegte Jospin in
der ersten Runde mit 16,18 % der Stimmen nur Platz drei knapp hinter
Jean-Marie Le Pen, dem Chef der rechtsextremen Nationalen Front
(französisch le Front National), unter anderem da sich die Stimmen der
Linken auf viele Kandidaten aufgeteilt hatten. Er trat daraufhin von
allen Ämtern zurück. In der Stichwahl wurde Amtsinhaber Chirac dann
deutlich mit 82,21 % der Stimmen im Amt bestätigt. Von 2002 bis 2007
amtierten wieder konservative Regierungen unter den Premierministern
Jean-Pierre Raffarin (Kabinette Raffarin I, II und III) und Dominique de
Villepin (Kabinett de Villepin). Im Sommer 2003 kostete eine Hitzewelle Tausende
meist ältere Menschen das Leben. Im selben Jahr brüskierte Chirac die
USA, indem er – wie Bundeskanzler Gerhard Schröder in Deutschland – die
Teilnahme am Irakkrieg verweigerte. Zwei Jahre zuvor hatte sich
Frankreich bei der Intervention in Afghanistan noch beteiligt.Am 29. Mai
2005 wurde die geplante EU-Verfassung in einem Referendum abgelehnt.
Soziale Missstände und eine verfehlte Integrationspolitik lösten im
Herbst 2005 Unruhen in vielen französischen Vorstädten aus. Auch als
Reaktion auf diese Unruhen wollte die Regierung einen „Vertrag zur
Ersteinstellung“ (frz. Contrat première embauche, CPE) einführen, mit
dem ohne Kündigungsschutz mehr Jobs für junge Erwachsene entstehen
sollten, zog das Vorhaben aber nach Demonstrationen zurück. Ansonsten
war die französische Innenpolitik lange Zeit von der Clearstream-Affäre
bestimmt. Im Mai 2007 gewann der ehemalige Wirtschafts-
und Innenminister Nicolas Sarkozy die Stichwahl der französischen
Präsidentschaftswahl gegen die Sozialistin Ségolène Royal, zum
Premierminister ernannte er François Fillon. Mitte 2008 brachte Sarkozy
eine große Verfassungsreform auf den Weg, die unter anderem die Amtszeit
des Präsidenten auf zwei Legislaturperioden begrenzt und dem Parlament
mehr Einfluss auf die Politik des Landes geben soll. Des Weiteren wurde
mit dem Sozialgesetz TEPA unter anderem die Besteuerung der Überstunden
gesenkt und die Sozialhilfe durch das Revenu de solidarité active (RSA)
reformiert.[9] Als Reaktion auf die Weltfinanzkrise 2007 verabschiedete
das Kabinett Fillon II 2009 ein Hilfspaket von 360 Milliarden Euro. Im
Jahr 2010 wies Frankreich massenweise illegal im Land lebende Roma aus
und brachte damit die EU-Kommission gegen sich auf. Außenpolitisch
führte Sarkozy Frankreich 2009 in die NATO-Kommandostruktur zurück und
setzte sich 2011 während des Arabischen Frühlings maßgeblich für den
Militäreinsatz in Libyen ein. Für die Präsidentschaftswahl 2012 wurde François
Hollande in einer Vorwahl zum Kandidaten der Parti socialiste und der
PRG bestimmt, die zum ersten Mal für alle Wahlberechtigten offenstand,
die sich „zu den Werten der Linken und der Republik“ bekannten. Am 6.
Mai 2012 gewann er in der zweiten Runde gegen den Amtsinhaber Nicolas
Sarkozy. Zum Premierminister ernannte er Jean-Marc Ayrault, der zwei
Jahre später vom vorherigen Innenminister Manuel Valls abgelöst wurde.
Eine der ersten umgesetzten Maßnahmen war 2013 die Einführung der
gleichgeschlechtlichen Ehe (frz. mariage pour tous), die auch zu
Gegendemonstrationen führte (La Manif pour tous). Im Jahr 2014 startete
eine Reform der Regionen mit dem Ziel einer Effizienzsteigerung der
Verwaltung, durch die es seit Anfang 2016 im europäischen Teil
Frankreichs statt der bisherigen 22 nur noch 13 Regionen gibt. Hollande ist seit Amtsbeginn mit der
europaweiten Krise, der zunehmenden Überschuldung von Staat und
Sozialsystemen sowie der anhaltenden Deindustrialisierung Frankreichs
konfrontiert. In diesem Rahmen werden außerdem Frankreichs Staatsquote,
Reformfähigkeit und anderes kritisch diskutiert. Im Jahr 2015 war Paris
von zwei islamistischen Terroranschlägen betroffen: Am 7. Januar 2015
drangen maskierte Täter in die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie
Hebdo in Paris ein und töteten elf Personen. Daraufhin kam es spontan zu
Solidaritätskundgebungen für die insgesamt 17 Opfer des Anschlags, auf
denen viele Plakate mit dem Slogan Je suis Charlie („Ich bin Charlie“)
zu sehen waren. Als politische Reaktion wurde die höchste Stufe „alerte
attentats“ des Sicherheitsmaßnahmenkatalogs Plan Vigipirate ausgerufen.
Am Abend des 13. November verübten Terroristen an sechs verschiedenen
Orten in der Stadt Anschläge, bei denen 130 Menschen starben und über
dreihundert Menschen teils lebensgefährlich verletzt wurden. Die
Angriffsserie richtete sich gegen die Zuschauer eines Fußballspiels im
Stade de France, gegen die Besucher eines Rockkonzerts im
Bataclan-Theater sowie gegen die Gäste zahlreicher Bars, Cafés und
Restaurants. Als Konsequenz auf die Anschläge, zu denen sich die
terroristische Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) bekannte, verhängte
die Regierung den Ausnahmezustand und rief eine dreitägige Staatstrauer
aus. Als weiteres wichtiges Ereignis des Jahres 2015 fand in Paris vom
30. November bis 12. Dezember die UN-Klimakonferenz unter Vorsitz von
Außenminister Laurent Fabius statt, auf der das Übereinkommen von Paris
verabschiedet wurde. Im Dezember 2016 gab Francois Hollande seinen
Verzicht auf eine Kandidatur für eine zweite Amtszeit bekannt. Emmanuel Macron, der ehemalige
Wirtschaftsminister im Kabinett von Manuel Valls, konnte die
Präsidentschaftswahlen 2017 für sich entscheiden. Er war mit einem
sozialliberalen, wirtschaftsliberalen und pro-europäischen Programm
angetreten und gewann die zweite Runde gegen Marine Le Pen, die
Vorsitzende des Front National. Die Wahlbeteiligung lag jedoch nur bei
42 %. Benoît Hamon, der Kandidat der Linken (Belle alliance populaire),
und François Fillon, der Kandidat der Rechten und des Zentrums, schieden
beide bereits in der ersten Runde aus. Fillon galt bis zum Bekanntwerden
des Verdachts der Veruntreuung öffentlicher Gelder als Favorit für die
Wahlen. Noch weit hinter Jean-Luc Mélenchon (La France insoumise) wurde
Hamon nur Fünfter. Nach seinem Amtsantritt ernannte Macron den
konservativen Édouard Philippe zum Premierminister. Bei den
anschließenden Parlamentswahlen konnte die erst im April 2016 von Macron
gegründeten Partei La République en Marche (LREM) die absolute Mehrheit
der Sitze gewinnen. In etwa die Hälfte der Kandidaten von LREM kam aus
der Zivilgesellschaft ohne bisheriges politisches Amt. Als Reaktion auf
die Rentenreform im Jahr 2023 kam es landesweit zu Protesten. Im März 2024 wurde das Recht auf Schwangerschaftsabbruch nach einer Entscheidung der Nationalversammlung und des Senats in die Verfassung aufgenommen. Frankreich wurde damit das weltweit erste Land, in der das Recht auf Abtreibung in der Verfassung verbrieft wurde. Bereits zuvor war der Schwangerschaftsabbruch bis zur 14. Schwangerschaftswoche erlaubt. In der Präsidentschaftswahl 2022 wurde Emmanuel Macron vor seiner Hauptkonkurrentin, Marine Le Pen wiedergewählt. Bei der Parlamentswahl im Juni holte Macrons Parteienbündnis Ensemble dann 25,75 Prozent der Stimmen (etwa 6,5 Prozent weniger als 2017) und trotz des Mehrheitswahlrechts nur 245 von 577 Parlamentssitzen. Stark schnitt Jean-Luc Mélenchons Linksbündnis NUPES (Nouvelle union populaire écologique et sociale aus den Parteien La France insoumise, Sozialisten, Grünen und Kommunisten) ab, dass 131 Wahlkreise/Mandate gewann und Marine Le Pens Rassemblement National, der 89 Wahlkreise/Mandate gewann, überholte. Im Juni 2024 löste Macron nach der Europawahl in Frankreich 2024, aus der seine Partei starke Stimmenverluste hinnehmen musste, das französische Parlament auf und kündigte mit den Worten, dass er „nicht so tun“ könne, „als ob nichts geschehen wäre“ Neuwahlen an, die Kräfteverhältnisse bestätigten. Seit September 2024 wechselte Macron mehrfach den Ministerpräsidenten. |
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