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Der keltische Name des Hafens war Gesoriacum; die Römer nannten ihn Portus Itius
oder Portus Britannicus. Die neu von den Römern gegründete höher gelegene Stadt
wurde Bononia getauft, in Erinnerung an Bologna. Aufgrund der strategischen
Bedeutung des Hafens für die Eroberung Großbritanniens ließ Caligula im Jahr 39
n. Chr. nach dem Modell von Pharos in Ägypten einen Leuchtturm in
Boulogne-sur-Mer errichten. Dieser wurde unter Karl dem Großen 811 weiter
verbessert, stürzte aber aufgrund eines Erdrutsches 1644 ein. Bis 1930 konnte
man noch die Ruinen des Leuchtturms sehen. Ab dem 4. Jahrhundert war die gesamte
Stadt im Römischen Reich allein als Bononia bekannt. Sie diente als Haupthafen
für die Classis Britannica und als Verbindung zwischen Britannien und dem
Festland. Julius Caesar und Claudius nutzten die Stadt als Basis für die
römische Invasion Britanniens. Nach Boulogne führten auch mehrere Römerstrassen,
unter anderem eine Verbindung über Bavay nach Köln, die heute Via Belgica
genannt wird. Im Mittelalter war Boulogne das Zentrum der gleichnamigen
Grafschaft. Ein Mitglied der Grafenfamilie von Boulogne, Balduin von Boulogne
(Baudouin de Boulogne), Bruder von Gottfried von Bouillon (Godefroy de
Bouillon), wurde zur Zeit der Kreuzzüge unter dem Namen Balduin I. der erste
König des Königreiches Jerusalem. Wirkliche Bedeutung errang Boulogne-sur-Mer,
nachdem Balduin II., Graf von Flandern, 918 eine Burg errichten ließ, die von
Nachfahren im 13. Jahrhundert zum Schloss ausgebaut wurde, in dem sich heute ein
historisches Museum befindet. Aus der Zeit Balduins II. stammt auch der
flämische Name Boonen. Die Marien-Pilgerfahrt in Boulogne-sur-Mer war so
erfolgreich, dass der französische König Philipp V den Bau einer ähnlichen
Kirche in der Nähe von Paris in Menus-lès-Saint-Cloud anordnete, um den Weg für
die Einwohner von Paris zu verkürzen. 1330 war die Kirche vollendet, und die
Stadt wurde Boulogne-la-Petite genannt, heute Boulogne-Billancourt. Der mit dem
römisch-deutschen Kaiser Karl V. verbündete englische König Heinrich VIII. griff
im 4. Italienischen Krieg während der Regentschaft König Franz I. Nordfrankreich
an, und die Engländer besetzten Boulogne 1544 nach einer kurzen Belagerung. Nach
Einnahme belagerten die Franzosen ihrerseits die Stadt, bis Boulogne 1550
endgültig französisch wurde. Ein von den Briten unter Horatio Nelson geleiteter
Angriff auf französische Schiffe bei Boulogne-sur-Mer blieb am 15./16. August
1801 ergebnislos. Am 22. Oktober 1801 wurde ein Waffenstillstand zwischen
Großbritannien und Frankreich ausgehandelt. Napoleon bereitete 1804 eine
Invasion vor. Er zog an der Kanalküste bei Boulogne eine Armee von 150.000 Mann
zusammen. Um die Überfahrt durchführen zu können, wurden zahlreiche
Transportschiffe gebaut. Im August 1805 wurde das Lager von Boulogne wegen der
Kriegseröffnung durch Österreich jedoch abgebrochen und die französische Armee
in Eilmärschen an die Donau verlegt. Am 17. August 1850 starb der
südamerikanische Freiheitskämpfer José de San Martín in Boulogne-sur-Mer. Aus
diesem Grund wurde ein Dorf ca. 15 km nördlich von Buenos Aires (heute in der
Großstadt aufgegangen) und eine Straße in Buenos Aires nach der französischen
Stadt genannt. Im Jahr 1905 wurde in der Stadt der erste Welt-Esperanto-Kongress
abgehalten. Zum hundertjährigen Jubiläum dieses Ereignisses fand 2005 die
Boulogne2005 erneut in Boulogne-sur-Mer statt.
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