Dunkerque (dünkirchen)

ALLGEMEINES

Dunkerque, deutsch Dünkirchen, ist eine französische Hafenstadt an der südlichen Nordseeküste im Département Nord im westflämischen Sprachgebiet Französisch-Flanderns. Die rund zehn Kilometer westlich der Grenze zu Belgien liegende und zugleich nördlichste Stadt Frankreichs zählt ca. 90.000 Einwohner, einschließlich der Vorstädte sind es etwa 250.000. Sie lebt vom Hafen und von großen Industrieansiedlungen und beherbergt eine Universität mit ca. 10.000 Studenten.

            
 

geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Dunkerque im 7. Jahrhundert als Fischersiedlung. Dank seiner strategisch günstigen Lage am Eingang zum Ärmelkanal entwickelte sich der Ort rasch: 960 wurde eine Stadtmauer, 1233 das erste Rathaus errichtet. Ein wichtiger Wirtschaftszweig Dünkirchens war über Jahrhunderte der Heringsfang und später der Kabeljaufang vor Island.  Andererseits weckte die Lage der Stadt seit jeher Begehrlichkeiten. Im Laufe ihrer Geschichte gehörten die „dütsch“-sprachigen (niederfränkisch oder niederländisch) Bewohner zunächst zu Flandern, Burgund und den Spanischen Niederlanden. 1646 wurde Dünkirchen von Frankreich und den Niederlanden nach einmonatiger Belagerung erobert und fiel im Englisch-Spanischen Krieg nach der Schlacht in den Dünen 1658 an England. Schließlich wurde die Stadt am 17. Oktoberjul. / 27. Oktober 1662greg. für fünf Millionen Livres vom englischen König Karl II. an den französischen König Ludwig XIV. verkauft. Von da an wurde die Stadt unter Vauban mit starken Festungswerken umgeben. Im 16. und 17. Jh. war die Stadt Stützpunkt der Freibeuter von Dünkirchen. Im 19. Jahrhundert stieg die Stadt zum drittgrößten Hafen Frankreichs auf. Im Ersten Weltkrieg gehörte die Stadt zum unmittelbaren Hinterland der belgischen Yser-Front und war Ziel deutscher Bombardements. Im Zweiten Weltkrieg, im Frühjahr 1940, wurde Dünkirchen bei den Kämpfen zwischen der deutschen Wehrmacht und den nach der Schlacht von Dünkirchen dort eingekesselten Briten und Franzosen weitgehend zerstört. Ab 1940 unterhielt die deutsche Kriegsmarine in der Stadt ein Marinelazarett. 1944, nach der Operation Overlord, wurde Dünkirchen von der Wehrmacht zur Atlantikfestung erklärt, bis Kriegsende verteidigt und erst nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 9. Mai 1945 von den Alliierten besetzt. Am 1. Januar 1970 fusionierte die zuvor selbstständige Gemeinde Malo-les-Bains mit Dunkerque und bildet seitdem eines der Quartiers der Stadt. Am 9. Dezember 2010 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Saint-Pol-sur-Mer und Fort-Mardyck Ortsteile von Dunkerque. Die Einwohnerzahl stieg damit an. Im Zuge der Flüchtlingskrise in Europa, nach der Räumung des Dschungels von Calais im Oktober 2016, wurde Dunkerque zum Ziel zahlreicher Flüchtlinge und Migranten, die sich von dort aus Zutritt zum Vereinigten Königreich erhofften. Im Februar 2017 hatten sich bereits rund 2.000 Personen im Lager bei Grande-Synthe gesammelt, in dem sie unter teils prekären Bedingungen lebten.


Geschichte Operation Dynamo

Die Schlacht von Dünkirchen fand im Mai und Juni 1940 im Zuge des Westfeldzugs während des Zweiten Weltkrieges statt. Während des deutschen Westfeldzugs war die nordfranzösische Stadt Dünkirchen der letzte Evakuierungshafen der British Expeditionary Force, die 1939/1940 in Frankreich als Teil der zunächst defensiven Strategie der Westalliierten eingesetzt worden war. Es gelang den Briten und Franzosen, den Brückenkopf so lange zu verteidigen, bis sie über 330.000 von etwa 370.000 ihrer Soldaten in der Operation Dynamo evakuiert hatten. Die Einnahme der Stadt durch die deutsche Wehrmacht erfolgte am 4. Juni. Operation Dynamo war der Codename einer militärischen Evakuierungsaktion der britischen Admiralität im Zweiten Weltkrieg, bei der mit 85 Prozent das Gros des britischen Expeditionskorps (BEF) und Teile der französischen Armee per Schiff nach England transportiert werden konnten. Diese Truppenteile wurden von der Wehrmacht bei der Schlacht um Dünkirchen eingekesselt, wobei ein – bis heute nicht endgültig geklärter – Haltebefehl für die rasch vorstoßenden deutschen Panzertruppen ein Zeitfenster für die Alliierten öffnete, in dem vom 26. Mai bis zum 4. Juni 1940 338.226 Soldaten, davon 198.229 Briten und 139.997 Franzosen, unter Zurücklassung fast des gesamten Materials evakuiert werden konnten. Diese bis dahin größte Rettungsaktion der Weltgeschichte bildete die Grundlage für das Durchhaltevermögen Großbritanniens, denn der Verlust fast der gesamten britischen Berufsarmee hätte zu dieser Zeit nicht kompensiert werden können.

          
          
          

Operation Dynamo Museum

Das Mémorial du Souvenir ist ein Kriegsmuseum und Erinnerungsort in Dünkirchen, das der Schlacht von Dünkirchen und der Operation Dynamo gewidmet ist. Untergebracht ist das Museum in der Bastion 32 der Küstenbefestigung Dünkirchens von 1874 in der Rue des Chantiers de France. Die Bastion diente im Zweiten Weltkrieg während der Schlacht von Dünkirchen im Mai und Juni 1940 den französischen und den alliierten englischen Truppen als Hauptquartier. Die Schlacht wird in dem 700 Quadratmeter großen Museum durch Generalstabskarten, Schautafeln mit Texten und Bildern sowie Vitrinen mit Waffen und Ausrüstungsgegenständen, frei aufgestelltem Militärmaterial sowie Originalfunden vom Schlachtfeld präsentiert. Zudem wird den Besuchern abwechselnd in französischer und englischer Sprache ein 15-minütiger Dokumentarfilm mit zahlreichen Originalaufnahmen angeboten. Im Jahr 1969 wurde eine Ausstellung über die Schlacht von Dünkirchen und der Operation Dynamo zusammengestellt und vom damaligen französischen Verteidigungsminister Michel Debré eröffnet. Die Ausstellung wurde später im Keller des Musée des Beaux Arts von Dünkirchen eingelagert und geriet dann in Vergessenheit. Anlässlich des 60. Jahrestags der Schlacht wurde im Jahr 2000 die Ausstellung neu gestaltet und in der Bastion 32 präsentiert.

          
         
         
         
          
          
   

Tour du Leughenaer

Die Tour du Leughenaer (eine alte Schreibweise für das niederländische Wort leugenaar, deutsch: Lügner) ist ein achteckiger 30 Meter hoher Turm in Dunkerque. Der um 1450 erbaute Turm ist das älteste Baudenkmal der Stadt. Er wurde von Jacques Desfontaines erbaut und war im 18. Jahrhundert von einer Plattform zur Überwachung des Hafens umgeben. Im Jahr 1814 wurde er für die Installation eines Leuchtfeuers erhöht. Ein großer Teil der technischen Ausrüstung des 19. Jahrhunderts im Turm blieb bis heute erhalten.

          

Film "Dünkirchen" (2ß17)

Die Dreharbeiten begannen am 23. Mai 2016. Gedreht wurde in der an der Côte d’Opale gelegenen nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen (Dunkerque), dem Originalschauplatz der Operation Dynamo, sowie in den englischen Städten Swanage, Weymouth und anderen Teilen der Grafschaft Dorset. In Dünkirchen drehte man am Plage de Malo-les-Bains und an der nahe gelegenen Dune Dewulf. Viele der im Ärmelkanal spielenden Szenen entstanden nicht in diesem, sondern im niederländischen IJsselmeer bei der Stadt Urk, da das IJsselmeer keine Gezeiten und wenig Seegang aufweist und so ein angenehmerer Drehort war. In den Vereinigten Staaten fanden die Dreharbeiten in Los Angeles und in der kalifornischen Küstenstadt Rancho Palos Verdes statt.

            

Fotos, Texte, Grafiken: JHreisen - Wikipedia / Daten und Links ohne Gewähr (03.2026)