Korsische Musik

Allgemeines

Paghjella ist der polyphone Männergesang der traditionellen korsischen Volksmusik. Die Musik entwickelte sich vermutlich aus dem gregorianischen Choral der Kirchenmusik. Da die Gesangstechnik bedroht ist, wurde sie im Jahr 2009 von der UNESCO in die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die mittlere Stimme (a segonda) trägt die Melodie; die tiefere Stimme (u bassu) bildet die Begleitung, die dritte und höchste Stimme (a terza) singt die Koloratur. Dabei werden vorgegebene Schemata improvisiert. Die Lieder besingen vergangene Zeiten, die Liebe, die korsische Natur oder die Jungfrau Maria. Eine Art Hall-Effekt wird erzeugt, indem die Texte leicht versetzt gesungen werden.

Ausgewählte Solisten: Petru Guelfucci / Antone Ciosi / Mai Pesce / Ghjuvan Paulu Poletti

Ausgewählte Gruppen: A Filetta / Barbara Furtuna / I Muvrini / L’Alba / I Campagnoli


I Muvrini (Beispiel) / Alben


2003 Ajaccio

I Muvrini ist die bekannteste Musikgruppe Korsikas. Sie wurde 1977 gegründet und besteht aus den Brüdern Alain Bernardini, Jean-François Bernardini und weiteren Musikern. Das erste Album der Gruppe erschien 1979. I Muvrini (korsisch für „Die Mufflons“) stehen in der Tradition der korsischen Volksmusik, besonders der mehrstimmigen Paghjella; als Begleitung nutzen sie Klavier, Dudelsack, Gitarre, Geige, Drehleier, Keyboards und Schlagzeug. Die Gruppe singt überwiegend auf Korsisch und Französisch. Die Brüder Bernardini stammen aus dem Dorf Taglio-Isolaccio in der Castagniccia im Nordosten der Insel aus einer bekannten Musikerfamilie. Sie standen unter anderem mit Sting, Stephan Eicher und dem französischen Rapper MC Solaar auf der Bühne und arbeiteten mit internationalen Interpreten der Folkszene, Laïs (Belgien), Lluís Llach (Spanien) und Pyx Lax (Griechenland) zusammen. 2007 traten sie im Rahmen der Nokia Night of the Proms auf. Die Gruppe engagiert sich seit geraumer Zeit auch politisch und mit sozialen Projekten, wie beispielsweise mit der Gründung einer Korsika-Stiftung. Die Gruppe tritt fast ausschließlich auf Korsika und an anderen Orten in Frankreich auf.

      

1979 : Ti ringrazianu

1980 : Anu da vultà

1980 : Campemuci 

1981 : Rundinella

1981 : È campa quì

1984 : Lacrime

1985 : 85

1986 : À l'encre rouge

1988 : Pè l'amore di tè

1989 : Quorum

1990 : In core

1991 : À voce rivolta

1993 : Noi

1995 : Curagiu

1996 : Bercy 96 (live)

1998 : Leia

2000 : A strada

2002 : Umani

2003 : Terra

2005 : Alma

2007 : I Muvrini et les 500 choristes

2010 : Gioia

2012 : Imaginà

2015 : Invicta

2016 : Pianetta

2017 : Luciole

2019 : Portu In Core

2022 : Piu Forti

2025 : Nulu 33 (Youtube)


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