ALLGEMEINES

Dieppe ist eine französische Stadt im Département Seine-Maritime in der Region Normandie. Sie ist Unterpräfektur des gleichnamigen Arrondissements und Hauptort (chef-lieu) von zwei Kantonen. Der See- und Fischereihafen an der Alabasterküste mit ca. 30.000 Einwohnern befindet sich an jener Stelle, an der der Fluss Arques in den Ärmelkanal mündet. Ihm gegenüber, auf der englischen Seite des Kanals liegt Newhaven, East Sussex. Das am Strand von Dieppe im Spätsommer stattfindende Drachenfest gilt als das größte organisierte Drachenfest der Welt. Alle zwei Jahre werden hunderte Drachenflieger aus aller Welt an die Kanalküste eingeladen, um an einer 150 Meter langen Promenade in einem Zelt die typischen Drachen ihres Landes darzustellen. Dieppe ist ein bedeutender See- und Fischereihafen und verfügt über einen Yachthafen mit 500 Liegeplätzen. Angeliefert werden hauptsächlich exotische Früchte wie Bananen und Ananas. Täglich gibt es bis zu vier Verbindungen mit der Autofähre nach Newhaven in Großbritannien. Die Überfahrt dauert gut vier Stunden. Im Jahr 1848 erreichte die Eisenbahn die Stadt von Rouen über Malaunay an einem Kopfbahnhof. Gebaut wurde er von der Compagnie des chemins de fer de Dieppe et de Fécamp, ab 1855 wurden Strecke und Bahnhof von der Compagnie des chemins de fer de l’Ouest (Ouest) betrieben. Um den Passagieren das Umsteigen zwischen den Fernzügen und den Fährschiffen zu erleichtern, wurde 1874 der Bahnhof Dieppe-Maritime angelegt. 1994 wurden, nach der vorübergehenden Einstellung des Fährbetriebs, das dorthin führende Gleis und der Bahnhof Dieppe-Maritime wieder abgebaut.

          
          

geschichte

Dieppe wurde um das Jahr 900 circa 150 Jahre vor der Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer von Normannen besiedelt. Das englische Wort deep für „tief“ und „Dieppe“ haben denselben germanischen Ursprung. Es bezieht sich auf die natürliche Hafeneinfahrt des Ortes, der für den Seehandel schon immer ideal war. Der Ort wurde zweimal vollständig zerstört: Das erste Mal 1195 durch den Kapetinger Philipp II. August, das zweite Mal 1694 durch eine niederländisch-englische Flotte unter Admiral Berkeley, der die Stellungen der im Ärmelkanal operierenden französischen Korsaren vernichten wollte. Dem Neuaufbau nach dem Bombardement von 1694, das einen Flächenbrand verursachte, verdankt Dieppe sein barockes Aussehen. Ab dem 16. Jahrhundert war Dieppe ein Ausgangspunkt für die französischen Entdeckungsreisen. Jehan Ango, ein bedeutender normannischer Reeder und Geschäftsmann, der zahlreiche Reisen nach Südamerika finanzierte, wurde 1480 oder 1481 in Dieppe geboren und starb 1551 auch dort. Ab 1822 realisierte der Architekt Chatelin für den Grafen de Brancas einen umfangreichen Badekomplex mit Wandelgang, Säulenhalle und Herren- und Damen-Pavillons. Ab 1824 besuchte die Herzogin Marie-Karoline von Berry, Mutter von Henri d’Artois, fast jeden Sommer Dieppe und lancierte das Seebad, auch um den Ruhm der Bourbonen-Dynastie zu mehren. Mit der Julirevolution von 1830 endete die Herrschaft der Bourbonen, Dieppe kam aus der Mode. 1848 wurde die Eisenbahnstrecke von Paris nach Dieppe eröffnet. Zur Zeit von Napoléon III. wurde Dieppe der erste mondäne Badeort Frankreichs nach dem Vorbild des englischen Seebades Brighton. Sowohl die Bahn von Paris als auch die Fähren von Newhaven brachten Badegäste nach Dieppe. Das magische Licht in der Gegend lockte viele Künstler an. Die Impressionisten Camille Pissarro und Eugène Delacroix waren die ersten Maler, die Dieppe für sich entdeckten. Ihnen folgten Eva Gonzalès, Ernst Oppler und andere. Den romantischen Komponisten Camille Saint-Saëns zog es ebenfalls in den Ort, wie auch den naturalistischen Schriftsteller Guy de Maupassant. Als Léon Blums Volksfront 1936 das Urlaubsentgelt einführte, nahm der Tourismus in Dieppe noch einmal einen Aufschwung.


Operation Jubilee

Operation Jubilee (im englischen Sprachraum auch als Dieppe Raid bekannt) war eine am 19. August 1942 durchgeführte Landungsoperation der Westalliierten – hauptsächlich kanadische Truppen – im Zweiten Weltkrieg gegen den Hafen von Dieppe im deutsch besetzten Nordfrankreich. Beteiligt waren 237 Schiffe und etwa 7500 kanadische, US-amerikanische, britische, polnische und französische Soldaten. Ziel des Angriffs war die kurzzeitige Inbesitznahme der Stadt Dieppe, die nach spätestens 24 Stunden wieder hätte geräumt werden sollen. Auf diese Weise wollte die Royal Air Force (RAF) die Luftwaffe dazu bringen, mit starken Kräften bei Dieppe aktiv zu werden, die dann von britischen Jagdfliegern gestellt und vernichtet werden sollten. Außerdem sollte eine Landeoperation unter Gefechtsbedingungen geprobt und die Reaktion der deutschen Führung auf den Ausfall der bei Dieppe installierten Radaranlage getestet werden. Die Operation wurde wegen hoher alliierter Verluste – bis zu 70 % der eingesetzten Streitkräfte – vorzeitig abgebrochen. Bei Luftkämpfen verlor die RAF doppelt so viele Flugzeuge wie die Luftwaffe. Die NS-Propaganda feierte den Sieg und übertrieb seine Bedeutung, um der Bevölkerung zu suggerieren, gegen alliierte Invasionen im Westen gewappnet zu sein. In Großbritannien verfestigte sich nach der Niederlage die Erkenntnis, dass die von Stalin geforderte zweite Front in Westeuropa 1942 noch nicht aufgebaut werden könne. Der Dieppe-Angriff lieferte wichtige Erkenntnisse für die Landung in der Normandie (Operation Overlord, 6. Juni bis 25. August 1944).


chateau

Die Burg Dieppe (französisch Château de Dieppe) ist eine Höhenburg in der Stadt Dieppe im Département Seine-Maritime, die in der Normandie im Norden Frankreichs liegt. Die heutige Anlage wurde im Jahr 1435 30 Meter über den Klippen der Ärmelkanalküste zum Schutz der Stadt Dieppe durch Charles des Marets auf den Überresten einer alten Burg gebaut. Schon 1188 hatten die normannisch-englischen Herrscher Heinrich II. und Richard Löwenherz diesen Ort befestigt. 1195 wurde diese erste Befestigung von Philippe Auguste seinerzeit König von Frankreich aus der Dynastie der Kapetinger im Zuge der wechselvollen Auseinandersetzungen mit dem Haus Plantagenet und dem „angevinischen Reich“ zerstört. Anfang des 15. Jahrhunderts stand der Ort erneut im Mittelpunkt der letzten Kämpfe zwischen Frankreich und England. Der Dauphin, der spätere König Ludwig XI., besiegte als Zwanzigjähriger im Jahre 1443 die Belagerungstruppen unter Talbot. Die Stadtmauern und der mächtige Westturm stammen aus der Zeit um 1360. Marets erhielt nach der Befreiung der Stadt die Erlaubnis, eine Schlossburg mit viereckigem Grundriss umgeben von vier Rundtürmen und einem angrenzenden Hof zu errichten. Zwei der Befestigungstürme liegen an der Seeseite. Die Steine sind im dreifachen Wechsel aufgemauert, je eine Schicht Haustein, Ziegel und Feuersteine. In den Innenräumen, die heute das Museum von Dieppe beherbergen, sind prächtige vergoldete Täfelungen erhalten. Zweimal erlitt die Burg schwere Beschädigungen. 1694 wurde die Stadt Dieppe durch englisch-holländische Marinekanonaden zerstört, die Burg blieb jedoch erhalten. In den Kämpfen des Zweiten Weltkriegs wurde das historische Anwesen, seit 1862 Monument historique, erneut in Mitleidenschaft gezogen.

            
   

le tourelle

Die Tourelles sind das letzte Überbleibsel der sieben Tore der Stadtmauer, die Dieppe umgibt. Das Tor hieß zunächst Porte du Port d'Ouest und dann Tour Jumelle, bevor es zu den Tourelles wurde, die wir heute kennen. Es war eines der fünf Tore, die beim Bau der Stadtmauer im 14. Jahrhundert zum Meer hin ausgerichtet wurden. Der Zweck dieser Verteidigungsanlage war es, Dieppe während des Hundertjährigen Krieges (1337-1453) vor englischen und flämischen Angriffen zu schützen. Der Zweck dieser Tore bestand damals darin, die Versorgung von Dieppe und die kontrollierte Durchreise von Individuen auf dem Land- und Seeweg zu ermöglichen. Jahrhunderts verfiel die ungewöhnliche Mauer nach und nach, bis sie 1837 für den Bau des heutigen Boulevard de Verdun zerstört wurde. Die Umwidmung des Turms in ein Gefängnis bis ins 19. Jahrhundert bewahrte ihn vor der Zerstörung. Seit 1886 stehen die Tourelles unter Denkmalschutz.

            

square du canada

Der Square du Canada wurde 1924 angelegt, um das westliche Ende des Boulevard de Verdun am Fuße des Schlosses zu verschönern. Es wurde ein französischer Garten angelegt, der durch Blumenbeete verschönert wurde. 1927 entwarf der Architekt Georges Feray auf Initiative der Amys du Vieux Dieppe eine Stele, die an die Verbindungen zwischen Dieppe und Kanada erinnern sollte. Die Stele besteht aus zahlreichen Facetten mit eingravierten Inschriften, die die gemeinsame Geschichte von Dieppe und Kanada vom 16. Jahrhundert bis heute nachzeichnen.

            
           
 
            
            

Essen
Au-Bout-la-bas
Quai Henri IV, 76200 Dieppe
http://au-bout-la-bas-restaurant.fr/
 

Hotels
Auberge du Clos Normand
22 Rue Henri IV, 76370 Martin-Église
www.closnormand.fr/
        

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