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Dieppe wurde um das Jahr 900 circa 150 Jahre vor der Eroberung Englands durch
Wilhelm den Eroberer von Normannen besiedelt. Das englische Wort deep für „tief“
und „Dieppe“ haben denselben germanischen Ursprung. Es bezieht sich auf die
natürliche Hafeneinfahrt des Ortes, der für den Seehandel schon immer ideal war.
Der Ort wurde zweimal vollständig zerstört: Das erste Mal 1195 durch den
Kapetinger Philipp II. August, das zweite Mal 1694 durch eine
niederländisch-englische Flotte unter Admiral Berkeley, der die Stellungen der
im Ärmelkanal operierenden französischen Korsaren vernichten wollte. Dem
Neuaufbau nach dem Bombardement von 1694, das einen Flächenbrand verursachte,
verdankt Dieppe sein barockes Aussehen. Ab dem 16. Jahrhundert war Dieppe ein
Ausgangspunkt für die französischen Entdeckungsreisen. Jehan Ango, ein
bedeutender normannischer Reeder und Geschäftsmann, der zahlreiche Reisen nach
Südamerika finanzierte, wurde 1480 oder 1481 in Dieppe geboren und starb 1551
auch dort. Ab 1822 realisierte der Architekt Chatelin für den Grafen de Brancas
einen umfangreichen Badekomplex mit Wandelgang, Säulenhalle und Herren- und
Damen-Pavillons. Ab 1824 besuchte die Herzogin Marie-Karoline von Berry, Mutter
von Henri d’Artois, fast jeden Sommer Dieppe und lancierte das Seebad, auch um
den Ruhm der Bourbonen-Dynastie zu mehren. Mit der Julirevolution von 1830
endete die Herrschaft der Bourbonen, Dieppe kam aus der Mode. 1848 wurde die
Eisenbahnstrecke von Paris nach Dieppe eröffnet. Zur Zeit von Napoléon III.
wurde Dieppe der erste mondäne Badeort Frankreichs nach dem Vorbild des
englischen Seebades Brighton. Sowohl die Bahn von Paris als auch die Fähren von
Newhaven brachten Badegäste nach Dieppe. Das magische Licht in der Gegend lockte
viele Künstler an. Die Impressionisten Camille Pissarro und Eugène Delacroix
waren die ersten Maler, die Dieppe für sich entdeckten. Ihnen folgten Eva
Gonzalès, Ernst Oppler und andere. Den romantischen Komponisten Camille
Saint-Saëns zog es ebenfalls in den Ort, wie auch den naturalistischen
Schriftsteller Guy de Maupassant. Als Léon Blums Volksfront 1936 das
Urlaubsentgelt einführte, nahm der Tourismus in Dieppe noch einmal einen
Aufschwung.
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